Ein bisschen beunruhigt wirkt Sebastian Fiedler schon, wenn er die aktuelle Gefahrenlage einschätzt. Die Sicherheitslage für Deutschlands kritische Infrastruktur – das klingt sperrig, gemeint sind Energie, Kommunikation, Verkehr, Gesundheit und vieles mehr – steht für ihn so angespannt da wie lange nicht.
Stetige Gefährdung, keine Momentaufnahme
Fiedler bringt es schnörkellos auf den Punkt: Unsere lebenswichtigen Versorgungsnetze sind „definitiv bedroht“. Wellen artig tauchen neue Risiken auf – mal Drohnen über Kraftwerken, dann wieder Hackerangriffe auf Wasserwerke. Einen einzigen Rettungsanker gegen diese hybriden Angriffe? Den gibt es laut Fiedler schlichtweg nicht.
Er nimmt auch Moskaus Wirkmacht ins Visier und mahnt: Wie sehr der Kreml weiter Unruhe stiftet, bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Das macht eine stärkere Zusammenarbeit mit Europas Sicherheitsdiensten und den Kampf gegen undurchsichtige Netzwerkstrukturen wie etwa Schattenflotten aus seiner Sicht unverzichtbar.
Architektur im Wandel
Momentan wird in Berlin und anderswo hinter den Kulissen an neuen Sicherheitsgesetzen gefeilt – das neue Nachrichtendienstrecht etwa liegt in den Startlöchern. Die Reform, die im Herbst stärker in die Öffentlichkeit rücken dürfte, sei laut Fiedler mehr als bloße Kosmetik: Sie will grundlegende Strukturen aufbrechen und Behördengrenzen neu ordnen.
Auf die Frage, weshalb die Drohnenabwehr bislang nicht sticht, weicht er aus, nennt aber Kritis-Dachgesetz sowie die neue EU-NIS2-Richtlinie als zentrale Stellhebel. Da spürt man zwischen den Zeilen: Es gibt noch viel zu tun.
Politik sortiert sich neu
Der Zeitpunkt ist kaum Zufall: Bund und Länder feilen an Kompetenzen, bauen Meldeketten aus, tauschen Informations-Puzzle-Stücke intensiver aus. Das Ziel? Aus der Schwäche gegenüber Hackern, Saboteuren und Trittbrettfahrern endlich herauskommen – diesmal bitte nachhaltig.
Insbesondere die Betreiber sensibler Anlagen drängen auf praxistaugliche Regeln und einen klaren Ablauf im Notfall. Theoretisch hat sich der Katalog an Sicherheitsforderungen kräftig verlängert – häufig bleibt noch der Praxistest aus.
Was Fiedler sagt, reiht sich ein in einen immer lauter werdenden Chor: Von Überwachungsdrohnen, über Erpressungssoftware bis Sabotageakten – alles trifft auf allzu oft fragiles technisches Rückgrat.
Systemische Neuordnung und Draufsicht
Die angekündigten Adaptierungen im Nachrichtendienstrecht und die Rhetorik um das große Kritis-Dachgesetz wirken wie eine Generalüberholung: Fiedler spricht nicht von individuellen Zwischenfällen, sondern einem „Umbau des Gesamtsystems“. Die Politik erwartet von den Behörden nun, dass Gegenmaßnahmen zusammenwirken – nicht jeder für sich.
Wirtschaft und Staat bleiben gefordert
Sobald Pipelines, Stromtrassen oder Datenleitungen ausfallen, rollt eine Kettenreaktion los – das weiß jeder Betreiber, und staatliche Stellen erst recht. Vernetzte Systeme sind Fluch und Segen: Läuft’s rund, profitabel. Läuft was schief, schickt ein Sektor den nächsten ins Trudeln. Kein Wunder also, dass mit neuen Gesetzen und Richtlinien nun auch der europäische Schulterschluss stärker zum Maßstab gemacht wird.
Sebastian Fiedler wirft einen dringenden Blick auf die Sicherheitsrisiken, denen die deutschen Versorgungsnetze ausgesetzt sind – und warnt dabei explizit vor hybriden Bedrohungen, die technischen wie politischen Sprengstoff bergen. Die aktuellen Reformen, darunter das geplante Nachrichtendienstgesetz, das Kritis-Dachgesetz und die NIS2-Richtlinie, sollen Deutschlands Abwehrkräfte stärken; der inter- wie supranationale Austausch gerät dabei ebenso ins Scheinwerferlicht wie verwirrend komplexe Meldeketten.
Ergänzend dazu berichtet die Süddeutsche Zeitung heute von anhaltenden Angriffen auf Energie- und Kommunikationsnetzwerke, wobei sich insbesondere die Zahl verdächtiger Cyber-Aktivitäten aus dem Ausland zuletzt erhöht habe. (Quelle: Süddeutsche Zeitung) Zeit Online geht ausführlich auf die politische Dimension der Sicherheitsarchitektur ein und beleuchtet, wie die Bundesregierung im Zuge der Gesetzesreformen auf die Förderung von Resilienz setzt, dabei jedoch weiterhin mit föderalen Kompetenzgrenzen ringt. (Quelle: Zeit Online) Laut FAZ führen neue Berichte über russische Einflussoperationen im deutschen Netz zu verschärfter Wachsamkeit in den Behörden; die Verzahnung mit EU-Partnern wird als Schlüssel ausgemacht, um künftige Bedrohungsszenarien abzuwehren. (Quelle: FAZ)