Söder fordert Kurswechsel: EU soll Verbrenner-Aus überdenken

Eine aktuelle Analyse der TU München zur Klimaauswirkung von Pkw bringt das geplante Ende des Verbrennungsmotors in der EU erneut ins Wanken. Bayerns Regierungschef Markus Söder und Vertreter der Automobilbranche fordern mehr Offenheit für verschiedene Antriebstechnologien – und ein Abrücken von einseitigen Quoten aus Brüssel.

heute 12:59 Uhr | 2 mal gelesen

Da knistert es wieder zwischen den politischen Fronten – eine frische Studie der Technischen Universität München wirbelt die Debatte ums Aus der Verbrennungsmotoren in Europa gehörig auf.

Wissenschaft als Munition im politischen Schlagabtausch

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen: Mit Verweis auf die neuen Zahlen der TU München fordert er, das in Brüssel beschlossene Ende für Verbrennerpkw grundsätzlich zu überdenken. Die Studie "Defossilisation statt Dekarbonisation" sagt, E-Autos seien im europäischen Durchschnitt zwar klimafreundlicher, schafften gemessen am gesamten Lebenzyklus jedoch keine Wunder: nur rund 41 Prozent CO2-Ersparnis.

Das klingt zunächst nach einem klaren Wissenschaftsjargon, hat aber enorme Sprengkraft, zumindest, wenn man Söder glaubt, der solche Ergebnisse gerne politisch ausschlachtet.

Mehr Offenheit, weniger Dogma? Söders Wunsch an Brüssel

Nach Ansicht des CSU-Chefs sollte sich Europa nicht auf eine Technologie versteifen. "Nach Fakten und nicht nach Dogmen entscheiden!" ruft er, und lobt die TU München gleich als europäische Spitzenuni. Klar ist für ihn: Das wirtschaftsstarke Europa braucht das Auto – aber eben auch Innovationsfreude und freie Wahl bei den Antrieben.

Er will, dass moderne Verbrenner eine Perspektive behalten – aus Sicht der Arbeitsplätze, aber auch des Umweltschutzes. Quasi ein Appell, nicht nur auf Strom, sondern auch auf Verbrenner mit neuen Kraftstoffen oder Effizienzgewinnen zu setzen.

Der globale Konkurrenzdruck und Europas Dilemma

Söder mahnt, Europa müsse seine wichtigste Industrie schützen – der weltweite Autorennen sei längst eröffnet. Zu viele Restriktionen könnten für die europäischen Hersteller zum Nachteil werden. Er spricht sich daher explizit dafür aus, Flottengrenzwerte, Strafzahlungen und strenge Quoten zu überdenken oder gar auszusetzen.

Vielleicht nicht ganz uneigennützig, immerhin hängen in Bayern zigtausende Jobs von den Entscheidungen in Brüssel ab.

Stimmen aus der Branche: Technologieoffenheit als Leitmotiv

Auch in der Autoindustrie stößt Söder auf offene Ohren. Die Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, fordert wie er einen "Technologiemix". Jede Technologie habe einen Platz auf dem Weg zur Klimaneutralität, so ihr Argument – und die deutsche Autoindustrie sei bei Themen wie Kreislaufwirtschaft schon ziemlich weit.

Auffällig: Niemand will den Klimaschutz abschaffen, aber der Weg dorthin soll variabler werden. Allzu starre Vorschriften könnten zum Bumerang werden.

EU-Parlamentsfraktion: Rückendeckung und Kritik an "Null-Emissions"-Denke

Auch im EU-Parlament wird debattiert: Jens Gieseke (CDU/CSU) sieht sich durch die Studie in seiner Meinung bestätigt. E-Autos einfach als "Null-Emissions-Fahrzeuge" zu deklarieren, hält er inzwischen für reichlich kurzsichtig. Er fordert die EU auf, Emissionen über den gesamten Lebenszyklus zu berechnen und nicht nur den Auspuff zu beachten.

Das ist alles andere als eine Lappalie – von dieser Entscheidung hängt ab, worauf sich Autohersteller und Verbraucher in den nächsten Jahrzehnten einstellen müssen.

Wer zahlt am Ende die Rechnung?

Für Menschen mit Auto oder solche, die eines kaufen wollen, ist das keine abstrakte Frage. Was Regulierung und Vorgaben letztlich mit Preisen und Auswahl machen, werden alle zu spüren bekommen. Die Diskussion, ob nur E-Autos oder auch saubere Verbrenner und E-Fuels gefördert werden, hat konkrete Folgen für den Alltag, die Wirtschaft – und das Klima.

Markus Söder fordert eine radikale Umkehr beim geplanten Verbrenner-Aus in der EU, gestützt auf eine aktuelle Studie der TU München, die Elektroautos im Lebenszyklus-Vergleich nur moderate CO2-Einsparungen bescheinigt. Politiker aus CDU/CSU, Branchenvertreter und Industrielobby wie der VDA argumentieren, Klimaschutz ließe sich nur mit technologieoffener Politik und einem Mix aus Antriebsformen sozialverträglich und wettbewerbsfähig gestalten. Im Kern steht: Die Klimabilanz von Fahrzeugen sollte künftig konsequent über deren gesamten Lebenszyklus hinweg bewertet werden – ein Thema, das Verbraucher wie Hersteller gleichermaßen betrifft.

Aktuelle Entwicklungen laut Medienberichten

Laut einem neuen Bericht der FAZ hat die EU-Kommission angekündigt, die Nachhaltigkeit von E-Autos verstärkt zu prüfen und plant strengere Auflagen zum CO2-Fußabdruck von Batterieherstellung und Lieferketten. Die Zeit berichtet, dass sich die Autoindustrie in Brüssel aktuell gegen eine Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte für Lkw und Transporter stemmt, da dies europäische Standorte belasten könnte. Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass die Diskussion um technologieoffene Antriebe an Fahrt aufgenommen hat, da immer mehr Parteien über die Lebenszyklusperspektive in der CO2-Bilanzierung diskutieren – ein Paradigmenwechsel, der bis in den Europäischen Rat reicht.

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