Demokratische Bildung am Scheideweg: Volker Ullrichs Offensivgeist bei der BPB

Der neue Chef der Bundeszentrale für politische Bildung, Volker Ullrich, will mit frischen Akzenten und Mut zum Widerspruch auf die Gefahren für die Demokratie in Deutschland reagieren.

heute 00:02 Uhr | 3 mal gelesen

Streiten, nicht schlucken – das ist Volker Ullrichs Maxime, wenn es um den Zustand der Demokratie geht. Es mag banal klingen, vielleicht sogar zu direkt, aber Ullrich glaubt, dass unsere Gesellschaft gerade am lautstarken Widerspruch wächst – nicht am stummen Konsens.

Gesellschaft am Wendepunkt?

Wer sich heutzutage mit politischen Diskussionen beschäftigt, merkt schnell: Demokratie lebt vom Mitmachen. Laut Ullrich ist das einfacher gesagt als getan – denn das Klima ist rau. Populistische Gruppen, polarisierende Medienlandschaften und eine wachsende Skepsis im Alltag machen den Dialog nicht gerade leichter. Dagegenzuhalten – das fordert jede und jeden.

Die Bedeutung der BPB

Ullrich sieht die Bundeszentrale für politische Bildung als so etwas wie eine Schutzmauer für demokratische Werte. Parteilos, in Bonn ansässig und mit viel Herzblut im Gepäck – über 400 Menschen versuchen tagtäglich, komplexe Themen greifbar zu machen. "Verfassungstreue statt Parteiloyalität" – das ist mehr als nur ein Slogan für die BPB, weiß Ullrich. Und ja: Zwischen Ideal und Alltag liegt oft ein tiefer Graben.

Blick auf Vertrauen und Fokuswechsel

Keine Frage: Vertrauen in Politik und Institutionen bröckelt; extreme Meinungen bekommen Aufwind. Die stille Mitte – sie geht häufig unter. Deshalb will Ullrich die BPB inhaltlich breiter aufstellen. Rechtsextremismus bildet nach wie vor den Kern, doch auch Linksextremismus und Islamismus sollen verstärkt in den Fokus rücken. Nicht zu vergessen: 2027 wird an den "Deutschen Herbst" von 1977 erinnert – ein Erinnerungsjahr mit Sprengkraft.

Neuer Kurs, neue Hürden

Weniger bekannt, aber wichtig: Ullrich stammt aus der CSU, war im Bundestag aktiv, und ist jetzt kommissarischer Leiter der BPB. Das kam überraschend – dass Sönke Rix das Haus blitzschnell verließ, sorgt in der Szene immer noch für Stirnrunzeln, obwohl offiziell "privater Gründe" genannt wurden. Letztlich zählt jedoch, was daraus folgt: Wie gelingt der Spagat zwischen politischer Bildung, wachsendem Populismus und der Pflicht, kritisch-wachsam zu bleiben? Ullrichs Handschrift könnte sich als Mischung aus Klartext, Überzeugungskraft und manchmal unbequemem Korrektiv herausstellen.

Seit Volker Ullrich die Führung der BPB übernommen hat, gerät die Debatte um demokratische Bildung noch stärker in den Fokus. Seine Strategie: Rechte, linke und religiös motivierte Demokratiefeinde benennen und mehr Bürger zur Diskussion aktivieren. Neben dem altbekannten Erstarken rechter Parteien geht es auch darum, das sinkende Vertrauen in Staat und Presse durch transparente Bildung zurückzugewinnen – denn laut vielen aktuellen Stimmen (etwa bei Spiegel, FAZ, Zeit) bedrohen Desinformation, Radikalisierung und gerade die Abwendung junger Menschen von der Politik die Fundamente der Demokratie. Neurecherchierte Zusatzinfos: Unter anderem berichten Die Zeit und FAZ von einer weiter zunehmenden Polarisierung und sinkender Wahlbeteiligung bei Jugendlichen – ein Problem, dem die BPB mit gezielten Dialogformaten begegnen möchte. Aktuelle Analysen stellen zudem die Gefahr in den Vordergrund, dass ausländische Akteure mit gezielten Kampagnen im Netz das gesellschaftliche Klima zusätzlich destabilisieren, weshalb die Rolle der politischen Bildung als Bollwerk gegen Manipulation und Hass weiter wächst. Darüber hinaus drängt sich die Forderung auf, dass die sogenannte „vergessene Mitte“ ermuntert werden muss, sich lauter und entschlossener gegen Demokratiefeinde zu positionieren.

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