Übertriebene Zuspitzung statt Lösungen
Politiker – und da ist sich offenbar auch Reinhardt sicher – nutzen die ausgedünnte Versorgungslage im Gesundheitswesen mitunter für ihre eigenen Zwecke. Es ist gerade Vorwahlkampfzeit, die Töne werden schriller. Was dabei oft untergeht: Hitzige Parolen, wie sie die AfD propagiert, helfen keinem einzigen Patienten.Politisches Kalkül statt Fakten
"Wir brauchen Medizinstudenten, keine Importärzte" – das klingt auf Plakaten griffig, ist aber, wie Reinhardt betont, ein Trugbild. Ohne internationale Kolleginnen und Kollegen würde mancher Standort bereits jetzt dicht machen müssen. In Regionen, die politisch besonders aufgeheizt sind, halten Menschen aus dem Ausland den Praxisbetrieb am Laufen – Tag für Tag.Internationales Puzzle
Es steckt eine fast schon absurde Ironie dahinter: Dort, wo nationalistische Parolen laut durch die Dörfer hallen, ist das Gesundheitssystem auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Reinhardt beschreibt das Miteinander als Bereicherung, die letztlich jedem hilft – übrigens auch denjenigen, die sich von Wahlkampfparolen angesprochen fühlen.Pragmatisch statt ideologisch
Letzten Endes zählen für Patientinnen und Patienten immer weniger Pass und Papier – vielmehr zählen Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Verlässlichkeit. Der Ärztepräsident fordert außerdem, mehr Studienplätze zu schaffen und für attraktivere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Nur so wird sich langfristig etwas ändern.Was wirklich zählt
Mal ehrlich: Um drei Uhr nachts auf der Notaufnahme interessiert es keinen, ob da nun ein 'Dr. Schmidt' oder ein 'Dr. Ivanova' steht – Hauptsache, der oder diejenige weiß, was zu tun ist.In der aufgeheizten Debatte um Ärztemangel und Zuwanderung kurz vor den Landtagwahlen, legt sich Deutschlands oberster Arzt, Klaus Reinhardt, offen mit den populistischen Forderungen der AfD an und wendet sich entschieden gegen nationalistische Töne. Er findet: Die Realität auf dem Land zeigt, dass ohne ausländische Ärztinnen und Ärzte längst viele Stellen unbesetzt blieben; politische Scheinlösungen produzieren allenfalls neue Probleme. Aktuelle Zahlen belegen einen steigenden Bedarf an Nachwuchs und ausländischen Fachkräften gleichermaßen, während strukturelle Reformen und verbesserte Arbeitsbedingungen dringend nötig bleiben – derweil mahnen Experten, Vorurteile im Interesse der Versorgung hintanzustellen. Laut einem aktuellen Bericht der "Deutschen Welle" verschärft sich der Mangel an Ärzten weiter; ohne internationale Mediziner drohen gerade ländliche Kliniken akut zu schließen. Die "Süddeutsche Zeitung" beleuchtet kritisch, wie der Ärztemangel politisch aufgeladen und für Wahlkampf mobilisiert wird, obwohl Lösungen vor allem in strukturellen Ansätzen und einer gezielten Förderung der medizinischen Ausbildung liegen. Auf "Spiegel.de" berichten Ärztinnen und Ärzte, dass ihre Arbeitsbelastung wegen hoher Vakanzen steigt, und betonen, dass Zusammenarbeit über Grenzen hinweg sowohl Alltag als auch Notwendigkeit geworden ist.