Der Juni brachte dem Dienstleistungssektor – abgesehen von den Bereichen Finanz- und Versicherungsdienste – in Deutschland einen ordentlichen Umsatzknick: Nach den frisch veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamts lagen die realen, sprich preisbereinigten Umsätze im Juni um 1,7 Prozent unter denen des Vormonats. Auch nominal, also ohne Bereinigung, ging es um 1,4 Prozent nach unten. Das klingt vielleicht erst mal nach wenig, aber spätestens im Vergleich zum Vorjahr wird die Schieflage deutlicher: Real sind die Einnahmen um 0,4 Prozent abgesackt, nominal aber 2,7 Prozent nach oben – ganz schön tricky, oder?
Preise kaschieren Umsatzprobleme
Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen: Die vermeintlich positiven nominalen Ergebnisse werden von den Preissteigerungen förmlich aufgefressen. Unterm Strich bleibt den Unternehmen somit weniger übrig, wenn man die Inflation abzieht – und zwar nicht zu knapp. Mich erinnert das irgendwie an den Versuch, ein Loch im Geldbeutel mit Glitzer zu überkleben.
Freiberufler und Techniker besonders getroffen
Insbesondere für die beratenden und wissenschaftlich-technischen Berufe war der Juni ernüchternd – minus 2,3 Prozent auf Monatsbasis. Man merkt: Wenn im Unternehmen die Aufträge rarer werden, trifft es zuerst die Externen und Berater. Für viele von ihnen dürfte dieser Juni daher weniger lukrativ gewesen sein als ein warmer Sommertag, an dem das Büro leer bleibt.
Immobilien: Flaute lässt Umsätze schrumpfen
Auch im Immobilienbereich herrscht alles andere als Goldgräberstimmung. Die realen Umsätze brachen im Vergleich zum Vormonat um 1,8 Prozent ein – angesichts der aktuellen Unsicherheit sieht das aus, als würden viele Interessenten lieber erstmal abwarten. Vermietungen, Verkäufe und die Verwaltung von Objekten – alles trägt zu diesem Minus bei.
Probleme auch bei Logistik und Vermittlung
Aber es ist nicht nur eine Frage von Büros und Beratungen: Auch Verkehr, Lagerei und diverse Wirtschaftsservices fuhren ein Minus ein, jeweils 1,6 Prozent weniger als im Mai. Das betrifft logistische Prozesse genauso wie Zeitarbeits-, Verleih- oder Vermittlungsdienste. Diese Sektoren gehen oft als eine Art wirtschaftliches Fieberthermometer durch – und das zeigt offenbar aktuell leichtes Frösteln an.
Digital schwächelt: IT & Kommunikation betroffen
Zu guter Letzt kamen die digitalen Dienstleistungen, also Informations- und Kommunikationsfirmen, nicht ungeschoren davon: Ein Rückgang um 1,3 Prozent. Anders gesagt: Die Krise ist mitten in der digitalen Transformation angekommen. Vielleicht ist das schon ein erstes Alarmsignal, wenn selbst die Bits und Bytes mal die Puste ausgeht – oder die Aufträge.
Wirtschaftslage, Preissteigerungen und Ausblick
Das alles passiert in einer Phase, in der die Konjunktur ohnehin etwas zäh daherkommt – Wachstum à la Schnecke könnte man sagen. Die Schwäche in Dienstleistungen zeigt sich schneller und härter als in der Industrie, dort kann man zur Not auf Halde produzieren, hier fehlt es dann gleich an Nachfrage. Und solange die nominalen Zuwächse durch Preissteigerungen aufgefressen werden, wird es schwierig, echten Optimismus zu erzeugen.
Folgen für Jobs und Investitionen
Viele in der Branche beschäftigt der Gedanke: Wie lange hält das noch an? Denn Servicejobs hängen oft direkt am Umsatz. Wenn die Zahlen weiter nach unten zeigen, kommt bald die berühmte Kostenbremse – weniger neues Personal, bescheidenere Investitionen, mehr Gürtelenger-Schnallen. Man kann nur hoffen, dass sich im zweiten Halbjahr eine Wende abzeichnet, sonst haben nicht nur Dienstleister, sondern auch viele Arbeitnehmer wenig Grund zum Jubeln.
Zusammenfassung
Die neusten Zahlen unterstreichen: Im deutschen Dienstleistungssektor zieht sich der konjunkturelle Abschwung quer durch fast alle wichtigen Sparten – und das gerade in einer Zeit, in der die allgemeine Wirtschaftslage ohnehin auf wackeligen Beinen steht. Selbst die besser bezahlten Branchen wie Technik, Wissenschaft und Immobilien können sich nicht abkoppeln, was mittelfristig auch Risiken für Beschäftigung birgt. Auffällig ist die Diskrepanz zwischen nominalen und realen Werten – die Umsätze steigen auf den ersten Blick, in Wahrheit schrumpft das Geschäft aber unter der Oberfläche.
Recherchen & Ergänzungen
Laut aktuellen Medienberichten ist die Nachfrage nach Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen branchenübergreifend spürbar zurückgegangen, was vor allem auf Investitionszurückhaltung und Ungewissheit im Zusammenhang mit den globalen Lieferkettenproblemen zurückgeführt wird. Die Immobilienwirtschaft leidet zusätzlich unter gestiegenen Zinsen und einer abwartenden Haltung vieler Investoren, die wegen unklarer Perspektiven und anhaltender Kostensteigerungen kaum neue Projekte anstoßen (vgl. FAZ). Zugleich deuten Branchenverbände darauf hin, dass in vielen Dienstleistungsbereichen zwar personelle Engpässe bestehen, die Unternehmen aber ausgerechnet jetzt bei Neubesetzungen zurückhaltender werden – eine Entwicklung, die das Risiko für einen weiteren Nachfragerückgang und steigende Arbeitslosigkeit erhöht.