Verborgene Arbeitszeitreserven – Der öffentliche Dienst am Scheideweg

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat festgestellt: Im öffentlichen Dienst steckt eine bislang kaum genutzte Arbeitskraft-Reserve. Würden alle Teilzeitstellen zumindest ein bisschen aufgestockt, ließe sich das Personalproblem fast beheben – vor allem in Schulen, Kitas und großen Bundesländern schlummern Ressourcen.

heute 00:02 Uhr | 2 mal gelesen

Wer hätte gedacht, dass im deutschen öffentlichen Dienst so viel ungenutztes Arbeitskraft-Potenzial verborgen liegt? Laut einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft könnten theoretisch 634.000 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen werden, wenn alle Teilzeitbeschäftigten Vollzeit arbeiten würden.

Mangel und Möglichkeiten in überraschender Nähe

Übrigens: Der vom Beamtenbund aktuell diagnostizierte Personalnotstand im öffentlichen Sektor liegt bei fast identischen 631.000 Fachkräften, erstaunlich oder? Natürlich, man sollte nicht der Illusion verfallen, dass sich alle einfach so umstellen lassen. Vielleicht ist das wie mit einer riesigen Flasche Marmelade – der Inhalt reicht, aber kaum jemand kriegt den Deckel ganz einfach ab.

Was bleibt übrig, wenn man ein bisschen realistischer rechnet? Wenn sich Arbeitszeitmodelle nur an das Niveau von Sachsen-Anhalt – dem Top-Bundesland in puncto durchschnittlicher Arbeitszeit – annähern, kämen immerhin noch 294.000 Vollzeitäquivalente zusammen. Auch das ist beachtlich.

Warum ausgerechnet Schulen und Kitas?

Das größte Plus könnte in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen liegen. Es ist fast ironisch: Da, wo der Personalbedarf am drängendsten ist, sind die Reserven zugleich am höchsten. 153.000 rechnerische Vollzeitstellen extra an Schulen, 54.400 in Kitas und 41.800 in Kommunalverwaltungen – das sind Zahlen, die nach echten Chancen riechen.

Und ja, selbst Hochschulen (16.000) und die Polizei (10.800) könnten ein kleines Personalwunder erleben, wenn auch diese Reserven gehoben würden. Ob das wirklich passiert? Fraglich – aber die Zahlen regen jedenfalls zum Nachdenken an.

Große Länder, große Nachbesserungschancen

Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg führen die Liste der Länder mit den meisten verborgenen Arbeitskraft-Potentialen an: zusammen fast 356.000 mögliche Vollzeitäquivalente. Da fragt man sich schon, wie viel davon sich tatsächlich aktivieren ließe, wenn der politische Wille und die organisatorischen Weichen wirklich gestellt würden.

Ist das jetzt die Lösung aller Personalprobleme? Natürlich nicht so einfach, denn auch diese Zahlen sind eher eine rechnerische Obergrenze. Viele Beschäftigte wählen Teilzeit, weil sie Job, Familie oder Gesundheit jonglieren. Einfach den Hebel umlegen, das geht nicht. Aber allein die Vorstellung, dass man mit besseren Bedingungen, flexibleren Arbeitszeiten oder gezielteren Incentives mehr Leute dazu bewegen könnte, ein paar Stunden mehr zu arbeiten – das hat schon etwas.

Der tägliche Kampf um mehr Hände

Wenn gerade Schulen, Hochschulen, Kitas und Verwaltung wirklich spürbar mehr Personal hätten, würde das im Alltag vieler Menschen einen Unterschied machen. Vielleicht gäbe es dann weniger Unterrichtsausfall, schnellere Behördengänge oder verlässlichere Kinderbetreuung. Allerdings braucht dafür jede Stellschraube, ob Budget oder Personalentwicklung, einen langen Atem – und vermutlich auch mehr Kreativität als im Behördenalltag üblich.

Ländervergleich: Unterschiede und Optionen

Interessant ist, wie unterschiedlich die Bundesländer aufgestellt sind. Während Sachsen-Anhalt als Vorbild für mehr Arbeitsstunden herhalten kann, zeigen Bayern und Co., wie groß die Reserve sein könnte. Daraus könnten nun neue Ideen für Anreizsysteme oder flexiblere Modelle für den Einsatz öffentlicher Beschäftigter entstehen – sofern der politische Wind günstig steht.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in einer neuen Studie Arbeitszeitreserven im öffentlichen Dienst identifiziert, die mit 634.000 möglichen Stellen nahezu den gemeldeten Personalmangel von 631.000 Fachkräften abdecken könnten. Besonders in Schulen, Kindergärten und großen Ländern wie Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind diese Potenziale hoch, wobei eine vollständige Umstellung aller Teilzeitstellen auf Vollzeit aus praktischen Gründen utopisch ist.

Kritische Stimmen und aktuelle Entwicklungen

Fachverbände und Gewerkschaften mahnen zur Vorsicht, da viele Teilzeitkräfte aus familiären und gesundheitlichen Gründen nicht einfach mehr arbeiten könnten; stattdessen müssten attraktivere Arbeitsbedingungen, bessere Vereinbarkeit und freiwillige Aufstockungen in den Vordergrund rücken. In den letzten Tagen ist die Debatte über Lösungen im Personalbereich angesichts wachsender Anforderungen im öffentlichen Dienst, wie der Handhabung des Zuzugs von Geflüchteten und der Digitalisierung der Verwaltung, wieder aufgeflammt. Medienberichte betonen, dass begleitende Maßnahmen wie flexible Arbeitszeitmodelle, gezielte Qualifizierung und eine robuste finanzielle Ausstattung unerlässlich für jeglichen Reformweg bleiben.

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