Chip-Fabrikant Nexperia kurbelt Produktion nach Lieferengpässen wieder an

Nexperia nimmt nach einer Phase knapper Ware wieder Fahrt auf – für viele Industriekunden kommt das einer Erleichterung gleich.

heute 07:49 Uhr | 4 mal gelesen

Plötzlich klingt zwischen den Zeilen von Nexperias Interimschef Stefan Tilger beinahe so etwas wie Optimismus. Gegenüber dem "Handelsblatt" erklärte er, dass Nexperia seinen Kunden wöchentlich mehr Kapazität bieten könne – und bis Ende des Jahres sollen die schlimmsten Engpässe der Vergangenheit angehören. Die Probleme begannen, als der niederländische Chiphersteller mit seinem chinesischen Eigentümer aneinandergeriet und damit eine wichtige Bezugsquelle für die begehrten Bauteile versiegte. Es fehlte schlichtweg an Chips – und das in Branchen, die ohnehin schon unter knapper Versorgung ächzten. Nicht ohne Ironie: Um die Lücke zu schließen, setzt das Unternehmen nun auf den schnellen Ausbau in Südostasien. Das malaysische Werk wird eilig aufgestockt; laut Tilger werden in diesem Jahr die Kapazitäten dort sogar verdoppelt. Das Gebäude steht wohl schon, fehlt nur noch mehr Technik – was anscheinend im gang ist. Die Produktion soll flexibler werden: Nexperia arrangiert seine Lieferkette neu und will künftig jedes Bauteil aus verschiedenen Fabriken liefern können. Aber, so ehrlich ist Tilger auch: Die chinesische Fabrik lasse sich auf die Schnelle nicht ersetzen; im Hamburger Hauptwerk stehen gerade diverse Maschinen still, schlicht weil zu viele da sind. "Überkapazität" nennt er das nüchtern, betont aber, der Standort werde in anderthalb bis zwei Jahren wieder voll aufdrehen können. Trotz allem – und das ist bemerkenswert – sieht Tilger die Zukunft von Nexperia ziemlich gelassen: Kunden habe man, bis auf wenige Ausnahmen, nicht verloren, auch wenn Einbußen bei den Marktanteilen fast unvermeidlich waren. Zeit für einen vorsichtigen Optimismus, aber eben auch noch eine Portion Skepsis.

Nexperia agiert in einem wirtschaftlich und geopolitisch angespannten Umfeld, das vor allem seit der Covid-19-Pandemie für Verwerfungen und Umbrüche in globalen Lieferketten gesorgt hat. Laut dem Handelsblatt investiert das Unternehmen gezielt in neue Produktionsstätten, um unabhängiger von chinesischen Kapazitäten zu werden und seine Kernkunden zu halten. Branchenexperten beobachten die Lage mit Blick auf die anhaltenden Spannungen zwischen China und westlichen Staaten; dabei zeichnet sich ab, dass sich die Chip-Industrie zunehmend auf diversifizierte Fertigung und mehr Flexibilität einstellen muss (vgl. [Handelsblatt], [FAZ], [Spiegel], [Zeit]).

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