Grüne fordern unkomplizierteren Zugang zu Cannabis für Erwachsene

Knapp zwei Jahre nach der heftig diskutierten Cannabis-Freigabe kritisieren die Grünen Schwachstellen im System: Der Bezug über Medizinalwege bleibt für viele eine Grauzone – und der reguläre Konsum ist noch immer zu kompliziert geregelt.

heute 15:03 Uhr | 2 mal gelesen

Nach Ansicht von Janosch Dahmen, dem gesundheitspolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, hat sich nach der Teil-Legalisierung von Cannabis eine neue Grauzone aufgetan. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erläuterte Dahmen, dass viele Menschen sich jetzt medizinisches Cannabis über Apotheken verschaffen, was eigentlich für den Gesundheitsbereich gedacht war. Ein paradoxes Bild – denn eigentlich wollte man mit der Freigabe den Schwarzmarkt zurückdrängen, stattdessen entstehe eine neue Art von Graubereich. Dahmen sieht darin einen systemischen Fehler: 'Wenn Gesundheitsstrukturen der unkomplizierten Beschaffung dienen, läuft etwas schief.' Er plädiert deshalb dafür, die Zugangsregeln nachzubessern und den legalen Konsum für Erwachsene weniger bürokratisch möglich zu machen, ohne dabei das Gesundheitsrisiko – vor allem für Jugendliche – aus dem Blick zu verlieren. Auch der neue Zwischenbericht der Wissenschaft zeige, dass die Legalisierung nicht zu einem explosionsartigen Konsumanstieg geführt habe – im Gegenteil, bei jungen Leuten sei der Konsum sogar gesunken. Dennoch: Komplett gelöst ist das Thema längst nicht.

Im Kern fordern die Grünen pragmatischere Ansätze, was den Zugang zu legalem Cannabis – abseits medizinischer Kanäle – betrifft. Sie verweist ausdrücklich auf die wachsenden Graubereiche im Apothekenhandel, betonen aber auch die Notwendigkeit des Jugendschutzes. In einschlägigen Berichten und aktuellen Medien finden sich unterschiedliche Einschätzungen: So berichtet die Zeit, dass eine vollständige Regulierung des Marktes weiter aussteht, und Anpassungen in den Zugangsmechanismen laut Experten unausweichlich sind. Das Nachrichtenportal Spiegel hebt hervor, dass sich Bund und Länder bislang nicht auf einheitliche Kontrollen der Cannabis-Clubs einigen konnten, was die Lage zusätzlich verkompliziert. Laut der Süddeutschen Zeitung gibt es zudem Sorgen in der Ärzteschaft bezüglich des Missbrauchspotenzials medizinischer Rezepte – besonders, da die Nachfrage nach medizinischem Cannabis aktuell rapide zunimmt. Insgesamt erweist sich die Legalisierung als kontinuierlicher Balanceakt zwischen Liberalisierung, Regulierung und Gesundheitsschutz.

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