Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) blickt weniger trübe in die nahe Zukunft der deutschen Wirtschaft. Schon zu Beginn lässt sich sagen: Das Institut macht Hoffnung auf einen spürbaren Aufschwung im Jahr 2026, auch wenn der Stolperstein Energiepreise nach wie vor im Weg liegt.
Herbstprognose revidiert – Wachstum kurz vor dem Durchstarten?
Starke Impulse werden laut IWH vor allem durch die weiter anziehende Nachfrage aus dem Ausland (es ist beinahe ironisch: Der Export zieht, die Deutschen selbst halten aber das Portemonnaie zu) und wuchtige KI-Investitionen ausgelöst. Im Herbstblick rechnet das IWH grundsätzlich mit 1,4 Prozent BIP-Zuwachs im Jahr 2026 und moderateren 0,8 Prozent im Folgejahr. Es klingt nicht nach goldenen Zwanzigern, aber auch nicht nach einer endlosen Konjunkturtristesse.
Kurz zur Orientierung: Im Juni lag die Prognose noch um einiges drunter. Das Blatt scheint sich also zu wenden, wenngleich der Osten Deutschlands nicht ganz so stark profitieren dürfte.
Künstliche Intelligenz als Hoffnungsträger
Spricht man über den Treibsatz KI, klingt das fast schon nach wissenschaftlichem Science-Fiction-Stoff – nur mit realer Konjunkturwirkung. Besonders die amerikanischen Investments in künstliche Intelligenz katapultieren die Nachfrage nach deutschen Industriegütern nach oben. Und dann noch der globale Boom: Wo Digitalisierung auf Infrastruktur trifft, freut sich der deutsche Exporteur.
Allerdings: Die Energiepreise, beeinflusst durch Konflikte im Nahen Osten und veränderte Nachfrage in China, sorgen weiter für Sorgefalten auf den Stirnen. Die Finanzierungskosten steigen wegen der Geldpolitik – eine Gemengelage, die so manche ideale Weltkonjunktur wieder relativiert.
Nüchterner Blick auf den Arbeitsmarkt
Während die Zahlen zum Wachstum Mut machen, hinkt der Arbeitsmarkt hinterher. Besonders das verarbeitende Gewerbe leidet unter Stellenabbau – und nein, hier kann man kaum Schönfärberei betreiben. Exporterfolge helfen manchen Unternehmen, grundlegend gesund sind aber vor allem die Betriebe, die sich international behaupten können.
Vom privaten Konsum will man gar nicht reden: Die Kauflaune bleibt im Keller, zu viele drücken auf die Bremse angesichts hoher Preise. Investitionen in Ausrüstung? Bislang kein deutlicher Sprung nach oben sichtbar.
Risiken: Flatterhafte Binnenkonjunktur, schwankende Rheinpegel
Eines kommt selten allein: Der Rhein als Handelsader schwächelt in Zeiten von Rekordniedrigwasser, was erneut die Produktion in Teilen des Landes stört. Klingt fast wie ein Running Gag der Wirtschaftsgeschichte, wäre es nicht so ernst. Gleichzeitig bleibt man extrem abhängig vom globalen Aufschwung und neuen technologischen Trends – es reicht, wenn eine Haupttriebfeder nachgibt, um die Karten neu zu mischen.
Staatliche Investitionen sollen Rückenwind geben
Das IWH macht Hoffnung, dass staatliche Mehrausgaben Impulse liefern, die sich schon bald bemerkbar machen könnten. Stimmungsindikatoren wie die Ifo-Geschäftserwartungen haben zuletzt aufgezeigt, dass zumindest die Hoffnung auf eine Wende lebt. Aber: Gasversorgung und die Gefahr eines erneuten Energieengpasses könnten den Neustart schnell wieder beenden.
Fazit: Chancen auf Erholung, aber auch eine Menge Fragezeichen
Die Wirtschaft kann und will wachsen, aber nur wenn Exportmärkte und Technologiebereitschaft anhalten. In Deutschland hätte man zwar lieber einen starken Binnenmotor, bleibt aber – mal wieder – auf die Nachfrage aus dem Ausland angewiesen. Politisch gesehen bleibt der Auftrag, Energieengpässe zu verhindern und Investitionen konsequent anzuschieben. Denn das Spiel ist noch lange nicht entschieden.
Das IWH hat seine Prognose für die deutsche Wirtschaft 2026 kräftig erhöht: Die Experten erwarten nun ein Wachstum von 1,4 Prozent, vor allem getrieben durch KI-Investitionen und einen Boom bei der Auslandsnachfrage. Trotzdem bleibt der Arbeitsmarkt mau und die deutschen Verbraucher zeigen wenig Konsumfreude, gebremst durch Energiepreise und Unsicherheit. Die große Abhängigkeit vom Export bleibt eine Achillesferse – und Themen wie schwankende Pegelstände oder eine spürbare Energielücke könnten das zarte Wirtschaftswachstum schnell wieder abwürgen.
Weitere journalistische Einordnungen der Prognose
Aktuelle Analysen in großen deutschen Medien heben hervor, dass die Unsicherheit in Deutschland weiterhin groß ist: Während einige Konjunkturindikatoren für die kommenden Monate ein leichtes Plus signalisieren, mahnen Ökonomen vor anhaltenden strukturellen Problemen wie einem schleppenden Arbeitsmarkt und ausbleibenden Investitionen.
Der SPIEGEL berichtet aktuell, dass trotz optimistischer Prognosen der Aufschwung auf wackligen Beinen steht – multipler Druck durch Rohstoffpreise, hohe Kreditzinsen und geopolitische Spannungen bremsen mögliche Erholungsbewegungen immer wieder aus.
Laut der Süddeutschen Zeitung bleibt die Inflation ein Unsicherheitsfaktor, der besonders die privaten Haushalte in ihrem Konsumverhalten beeinflusst – so dass viele Menschen lieber sparen als investieren oder konsumieren.
Nach Informationen der FAZ werden sowohl Unternehmen als auch die Politik in den nächsten Monaten sehr gefragt sein, um die angekündigten staatlichen Investitionen tatsächlich umzusetzen und so dem Exportmotor Deutschlands den nötigen Rückenwind zu verschaffen.