Mehrheit der Schweizer gegen höhrere Krankenkassen-Mindestfranchise: Bonus.ch-Umfrage trifft Nerv der Bevölkerung

Der Vorschlag des Bundesrats, die Krankenkassen-Mindestfranchise auf 400 Franken anzuheben, stößt in der Schweiz auf breite Ablehnung. Besonders in der Westschweiz und unter den Jüngeren weht ein deutlicher Gegenwind: Fast sieben von zehn unter 30-Jährigen lehnen eine Erhöhung ab.

heute 08:52 Uhr | 1 mal gelesen

Die Debatte um die Erhöhung der Mindestfranchise im Schweizer Gesundheitssystem ist ein gutes Beispiel dafür, wie tief das Thema Gesundheitskosten ins Alltagsleben eingreift. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie bei vielen Versicherten der Puls steigt, wenn wieder eine Prämienerhöhung angekündigt wird. Laut der neuesten Erhebung von bonus.ch waren es in diesem Jahr immerhin mehr als 5.500 Menschen, die zu ihrer Meinung befragt wurden. Das Ergebnis: 59 Prozent sind GEGEN die Franchise-Erhöhung auf 400 Franken. Interessant dabei – im Tessin sind es sogar 64 Prozent, und von Menschen unter 30 lehnen 69 Prozent ab. Die Skepsis ist also in der Westschweiz und bei den Jungen am stärksten, was eigentlich wenig überrascht. Gerade junge Leute, mit oft unsicherem Einkommen, haben keine Lust, noch mehr draufzulegen. Die Beweglichkeit der Schweizer bleibt aktuell überschaubar: Nur zehn Prozent haben die Kasse gewechselt – und das, obwohl die Prämien erneut gestiegen sind, wenn auch nicht mehr so stark wie noch im Vorjahr. Besonders im Tessin, wo die Preise am krassesten angezogen haben, war die Wechselrate am höchsten, aber selbst dort zeigt sich: Viele bleiben lieber bei dem, was sie kennen. Lediglich bei massiven Preisanstiegen – über 100 Franken mehr pro Jahr – denkt die Mehrheit ernsthaft über einen Wechsel nach. Die Toleranzgrenze für Preisaufschläge ist also individuell, aber selbst kleine Schwankungen bringen einen Teil der Leute schon ins Grübeln. Ein gutes Viertel der Schweizer könnte sich vorstellen, 2027 die Kasse zu wechseln – die Wechselbereitschaft steigt in preissensitiven Regionen wie der italienischen Schweiz, während in der Deutschschweiz viele eher träge bleiben. Und noch ein Muster: Jüngere wechseln häufiger die Kasse als Ältere. Offenbar spielt das Sicherheitsbedürfnis mit dem Alter eine größere Rolle als mögliche Einsparungen. Was die Qualität angeht, gibt es – trotz aller Kostendebatten – vergleichsweise viel Zufriedenheit: Die Durchschnittsnote für die Versicherer liegt bei 5,12 von 6. Besonders in Appenzell Ausserrhoden und Glarus sind die Kunden zufrieden, während das Tessin mit hohen Prämien und niedrigen Zufriedenheitswerten kämpft. Man sieht: Die Bewertung des Systems kippt mit dem Blick in den eigenen Geldbeutel. Dennoch bleibt die grundsätzliche Akzeptanz des Schweizer Modells hoch, auch wenn die Zustimmung fragiler ist als früher.

Die Umfrage von bonus.ch zeigt: Die Mehrheit der Schweizer Versicherungsnehmer ist gegen eine Anhebung der Mindestfranchise. Besonders hoch ist die Ablehnung bei jungen Menschen und in der Westschweiz, während Männer und ältere Menschen tendenziell toleranter gegenüber dem System sind. Hintergrund für die wachsende Unzufriedenheit ist unter anderem der nahezu ungebremste Anstieg der Krankenkassenprämien und die damit verbundene Angst vor Mehrbelastung – ein Trend, den zahlreiche Medien wie die NZZ oder die FAZ in den letzten Monaten aufgriffen. Laut aktuellen Reports macht sich das auch in der Wechselbereitschaft bemerkbar: In wirtschaftlich gestressten Regionen – vor allem im Tessin – wird die Geduld mit dem alten System spürbar kürzer, was sich auch in einem Anstieg der Wechselabsichten niederschlägt. Die Diskussion über sinnvolle Reformen bleibt geprägt von einem Spannungsfeld aus Kostendruck, Versorgungsqualität und Gerechtigkeitsgefühl – das spiegelt sich nicht nur in den Zahlen, sondern längst auch in politischen Debatten und Sozialen Medien wider. Jüngste Medienberichte verdeutlichen zudem die Verunsicherung vieler Versicherter angesichts geplanter gesundheitspolitischer Maßnahmen und nehmen den Druck auf den Bundesrat messbar wahr. Hier drei aktuelle Zusammenfassungen aus den letzten 48 Stunden: - Auf ZEIT Online wird intensiv diskutiert, wie steigende Gesundheitskosten in der Schweiz die politische Debatte um eine grundlegende Systemreform anheizen; Bürgerinnen und Bürger fordern dort mehr Transparenz und einen stärkeren Ausgleich zwischen Prämien- und Leistungsniveau (Quelle: Zeit Online). - Die FAZ beschäftigt sich damit, wie die Krankenkassen in der Schweiz vor einer angespannten Finanzlage stehen, die sich auf Prämienhöhe und Leistungsangebot auswirkt – das Blatt sieht einen wachsenden Graben zwischen Bürgerinteressen und politischen Entscheidungen (Quelle: FAZ). - In der Süddeutschen Zeitung wird der regionale Vergleich gezogen: Insbesondere Grenzgänger und Versicherte aus dem Tessin berichten von Problemen durch hohe Zusatzkosten und potenzielle Versorgungslücken, womit neue Forderungen nach einer differenzierteren Kassenlandschaft laut werden (Quelle: Süddeutsche.de).

Schlagwort aus diesem Artikel