Das Format mit Caren Miosga greift erneut aktuelle Irritationen im gesellschaftlichen Diskurs rund um Demokratie auf – diesmal mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck, der dafür bekannt ist, sowohl klar Stellung zu beziehen als auch kritische Zwischentöne zuzulassen. Er warnt regelmäßig vor politischer Gleichgültigkeit, betont aber auch, dass Demokratie nur leben kann, wenn Menschen sich engagieren – eine Erkenntnis, die im Lichte populistischer Strömungen besonders Gewicht erhält. Interessant: Aktuelle Recherchen zeigen, dass das Vertrauen in demokratische Institutionen seit einigen Jahren europaweit abnimmt, auch in Deutschland; viele Bürgerinnen und Bürger fordern mehr Transparenz und schnelleres Handeln von der Politik. Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss sozialer Medien auf die Debattenkultur, der zunehmend für Polarisierung sorgt. Zugleich mehren sich Stimmen, die einen tiefgreifenden Neustart der politischen Strukturen für notwendig halten – sei es in Bezug auf Verwaltung, politische Beteiligung oder dialogisches Miteinander (vgl. auch FAZ, 12.06.2024). Das Thema erhält zusätzlichen Schub durch Ereignisse wie die jüngsten Europa- und Kommunalwahlen, bei denen erstmals das Wahlverhalten der „Generation unverbindlich“ sichtbar wurde – eine Gruppe, die klassische Parteistrukturen infrage stellt. Der gesellschaftliche Konsens, dass Demokratie bewahrt gehört, scheint zwar stabil, aber die Erwartung an Erneuerung wächst rasant.
heute 12:25 Uhr