Die Wochenzeitung „Die Zeit“ berichtet, dass etwa ein Drittel aller in den USA bereits verfügbaren Medikamente bislang nie auf dem deutschen Markt ankommt. Hagen Pfundner, der Deutschland-Chef bei Roche, spricht davon, dass die Situation sich noch zu verschärfen droht – Unternehmen zögerten zunehmend, neue Mittel hierzulande einzuführen. Das sei kein erfundenes Schreckensszenario: Auch Matthias Berninger, der Cheflobbyist von Bayer, bestätigt, dass die Einführung neuer Medikamente bereits stark zurückgeht und nennt es eine „tektonische Verschiebung“ in der Europäischen Arzneimittel-Landschaft. Er wundert sich, dass die breite Öffentlichkeit das Problem noch nicht begriffen hat: Drastische Entwicklungen bahnen sich an. Ausgangspunkt dieser Entwicklung sind Maßnahmen der US-Regierung: Präsident Trump zwang Pharmakonzerne, ihre Preise in den USA an ein westliches Länderkollektiv – darunter Deutschland – anzugleichen. Viele Hersteller verzichten deshalb lieber gänzlich auf die Markteinführung in Europa. Alexander Horn von Eli Lilly bringt es auf den Punkt: „Es kann gut sein, dass wir bestimmte Präparate hier gar nicht einführen.“ Chris Boerner (Bristol Myers Squibb) sieht Deutschland sogar an einem kritischen Wendepunkt.
Die Diskussion um den wachsenden Medikamentenmangel in Deutschland wird von Pharmamanagern aktuell besonders scharf geführt: Wichtige Innovationen könnten dem deutschen Markt künftig noch häufiger fehlen – und das hat nicht nur mit reiner Profitgier, sondern auch mit globalen politischen Entscheidungen zu tun. Ein Dauerstreit ist entbrannt zwischen Preisregulierung und dem Anreiz der Firmen, teure Forschung überhaupt zu betreiben. Während die kurzfristigen Auswirkungen vor allem für Patienten sichtbar werden, mahnen Kritiker auch zu mehr Transparenz bei Zulassungsprozessen und Forschungsförderung. In aktuellen Berichten wurden zudem globale Lieferkettenprobleme, zunehmende Engpässe bei gängigen Präparaten und die Versorgungsabhängigkeit Europas von asiatischen Herstellern als zusätzliche Risiken genannt. Die Regierung sucht laut neuesten Meldungen nach Lösungen, etwa durch staatliche Vorräte und engere Abstimmung innerhalb der EU. Bislang sind die konkreten Schritte jedoch überschaubar, und die Branche bleibt skeptisch.