Wenn man den Worten von Michael Lewis – dem Mann an der Spitze von Uniper – lauscht, könnte man fast meinen, die Frage nach der Zukunft der deutschen Energiewende sei so schwer zu packen wie ein Aal im Eimer. Sei’s drum: Im jüngsten Interview macht Lewis deutlich, dass er die generelle Richtung der von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verantworteten Politik für grundsätzlich richtig hält.
Anpassungen statt radikale Kehrtwende
Allerdings: Ein glattes ‚Weiter so‘ will er nicht unterschreiben. Lewis betont, dass nicht jedes neue Windrad oder jede Solaranlage per se ein Fortschritt ist. Es gehe nicht darum, auf Teufel komm raus auszubauen – vielmehr brauche es eine bessere Verzahnung der Infrastruktur.
Manchmal, so klingt es, wächst das Netz langsamer als die Zahl der Windräder – ein klarer Systemfehler. Die Folgen? Die Zeche zahlen am Ende die Verbraucher.
Kritik an blindem Ausbau
Da steckt für ihn der sprichwörtliche Hase im Pfeffer: Der Erfolg hängt daran, ob die Stromnetze überhaupt bereit sind, das Aufkommen aufzunehmen. Sonst fährt das System quasi wie ein ICE auf eingleisiger Nebenstrecke – schnell, aber mit ständigen Stopps.
Der Ruf nach einer Strategie, die den Namen verdient
Lewis bleibt dabei: Deutschland brauche keine Flickschusterei, sondern eine energiesystemische Gesamtstrategie. Es reiche nicht, punktuell Probleme zu lösen, sondern alle entscheidenden Elemente müssten Hand in Hand funktionieren: Stromnetze, klassische Kraftwerke, erneuerbare Energien, Wasserstoff.
Er unterstreicht, dass nur ein abgestimmtes Vorgehen für verlässliche Investitionen und Versorgungssicherheit sorgt. Ansonsten – so sein Subtext – bleibt alles Wunschkonzert.
Monitoring-Bericht als Startschuss – mehr, nicht weniger
Der Monitoring-Bericht, so hebt Lewis hervor, ist für ihn nur der Auftakt: Ein Lagebild, das endlich mal ehrlich die Probleme benennt. Entscheidend sei aber, dass nun auch entsprechend gehandelt werde. Politik und Unternehmen stünden gleichermaßen in der Pflicht, aus der Analyse stringente Schlüsse zu ziehen.
Ein systemisches Versäumnis – und warum Details zählen
Dass beispielsweise Windparks fehlen, wo Stromnetze längst ausgelastet sind, hat Lewis (und vermutlich auch vielen anderen in der Branche) schon zu lange schlaflose Nächte bereitet. Die Folge: Verbraucher und Wirtschaft schütteln den Kopf angesichts langsam steigender Stromkosten.
Planbarkeit ist für Versorger wie Uniper letztlich alles – häufig fehlt es aber genau daran. Wenn Lewis also mahnt, ist das auch ein Appell im eigenen Interesse, und zwar offen ausgesprochen. Manchmal – so mein Eindruck – müsste man das Energiewende-Puzzle schlicht neu zusammensetzen, statt immer neue Einzelteile draufzulegen.
Ein Zwischenruf zum Schluss
Mir fällt dazu ein: Vielleicht hätte man schon früher mehr Mut zur Systemkritik gebraucht. Aber gut, besser jetzt als nie. Ein weiter so wird, nach allem, was Lewis sagt, jedenfalls nicht reichen – das Netz der Zukunft muss clever gebaut sein, sonst wird Energiewende zur Endlosschleife mit wachsender Rechnung.
Der Tenor von Michael Lewis: Ohne abgestimmte Infrastruktur bleibt jede zusätzliche Solaranlage ein teurer Tropfen auf den heißen Stein. Zwar lobt er den Monitoring-Bericht von Wirtschaftsministerin Reiche als dringend nötigen Reality-Check, aber jetzt zählt das konkrete Handeln. Die große Sorge: dass Verbraucher und Industrie erneut draufzahlen, wenn keine strukturierte Gesamtstrategie umgesetzt wird.
Aktuelle Entwicklungen aus der Presse
Jüngste Artikel der FAZ diskutieren kontrovers neue Vorschläge für einen schnelleren Netzausbau, wobei Kommunen eine entscheidende Rolle spielen sollen (Quelle: FAZ). Laut der Süddeutschen wurde zuletzt das Thema Wasserstoff als Hoffnungsträger für die Dekarbonisierung intensiv besprochen und mehrere Pilotprojekte vorgestellt (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Zeit hebt die wachsende Sorge der Industrie hervor, dass der schleppende Ausbau die Investitionsbereitschaft bremst und Deutschlands Standortnachteil verschärft (Quelle: ZEIT).