Wer schon einmal im Sommer am Bosporus saß und eine gut gekühlte Suppe löffelte, weiß, was Glück bedeutet – zumindest ein wenig. Denn was erinnert man öfter an einen gelungenen Urlaub: den kilometerlangen Stau oder den Hauch von Olivenöl auf Auberginen? Laut einer brandaktuellen Studie zieht es ganz Europa zum Reisen, erst recht, wenn lokale Spezialitäten locken. Immerhin 70% der Befragten gaben an, die Entdeckung regionaler Esskultur sei für sie fast der Grund zur Reise. Die Türkei hält sich hierbei nicht zurück: Zwischen Meeren, Bergen und quirliger Metropole zeigt sie, wie sehr Essen und Lebensfreude zusammenhängen.
Gerade wenn die Hitze klebt, haben leichte Sommergerichte Saison. Kalte Suppen wie „Ayran Aşı“ – eine unscheinbare, aber sensationell erfrischende Mischung aus Joghurt, Kichererbsen und Weizen – kommen besonders im Osten der Türkei und längst auch in Istanbuls Hinterhofküchen auf den Tisch. Nicht vergessen: Olivenölgerichte! Die Schwiegermutter aller Antipasti, könnte man sagen – Zucchini, Paprika oder Weinblätter gefüllt, lauwarm oder kalt serviert und immer mit einem Spritzer Zitrone. Dazu schwappt mal ein Glas traditioneller Kompott aus Sommerfrüchten oder eine bitter-saure Limonade über den Tisch.
Vielleicht das Demokratischste am türkischen Genuss sind die „Esnaf Lokantaları“, ursprünglich einfache Mittagsküchen für die Werktätigen. Dort gibt's altbewährte Gerichte auf Augenhöhe, aus der Küchenvitrine direkt auf den Teller – samt frischem Brot und einer Portion Nostalgie. Für die Abende eignen sich dagegen Meyhanes am Wasser, wo in geselliger Runde Meze, Fisch und reichlich Gespräche serviert werden. Und natürlich: Wer nach all dem immer noch ein bisschen Platz im Bauch verspürt, sollte sich das sagenumwobene Maraş-Eis nicht entgehen lassen. Das wird aus Ziegenmilch und wilden Orchideenwurzeln gemacht, hält jedem Hitzeschub stand und schafft Verbindlichkeit auf überraschende Art – denn es muss mit Messer und Gabel gegessen werden! So oder so, Hauptsache, mit Freude und in Gemeinschaft.
Essen spielt eine immer größere Rolle beim Urlaubserlebnis – das zeigen neue Zahlen deutlich. In der türkischen Sommerküche verbinden sich Tradition, Leichtigkeit und gemeinschaftliches Genießen auf eine Weise, die dem Aufenthalt einen eigenen Zauber verleiht. Typische Gerichte wie kalte Joghurtsuppen, Olivenölgemüse und farbenfrohe Salate tragen zur kulinarischen Vielfalt bei und werden in traditionellen Lokalen, den Esnaf Lokantaları, oder abends in lebhaften Meyhanes gefeiert. In den letzten Tagen haben verschiedene Medien vermeldet, dass Reisen und insbesondere kulinarische Entdeckungstouren europaweit eine Renaissance erleben – nicht nur in der Türkei, sondern auch in Spanien, Italien und Frankreich. Zudem fanden Veranstaltungen wie Food-Festivals in Istanbul und die neue Initiative "Kulinarische Route Türkei" internationale Beachtung und ziehen zahlreiche Touristen an. Auch wurde der Trend zur Rückkehr zu familiengeführten Gaststätten und authentischer Küche als Reaktion auf die wachsende Sehnsucht nach echten Erfahrungen, abseits von Algorithmen und Social Media, breit diskutiert.