Seit 2019 erleben wir einen stetigen Anstieg bei den Erwachsenen ohne berufsqualifizierenden Abschluss. Laut Bertelsmann-Studie, über die auch das "Handelsblatt" berichtet, sind innerhalb von vier Jahren ungefähr 650.000 Menschen dazugekommen – also etwa 100.000 mehr jedes Jahr. Das entspricht einem satten Anstieg von 17 Prozent seit der Zeit vor Corona. Wer keinen Abschluss vorweisen kann, hat es besonders schwer: Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe liegt bei über 21 Prozent – das ist sechs Mal mehr als bei den Menschen mit Ausbildung. Viele arbeiten daher in Helfertätigkeiten, oft zu ungünstigen Konditionen in weniger sicheren Arbeitsverhältnissen. Bemerkenswert finde ich, dass trotz des viel diskutierten Fachkräftemangels ausgerechnet diejenigen, die Arbeit am dringendsten suchen, kaum profitieren. Gunvald Herdin von der Bertelsmann-Stiftung spricht von einem deutlichen Warnzeichen – und ich kann ihm eigentlich kaum widersprechen. Klar: Nicht jede Qualifikation lässt sich über Nacht nachholen. Aber manchmal, so die Studie, reichen schon ein paar gezielte Teilqualifikationen, und Menschen könnten den Sprung von einfachen Hilfsjobs zu echten Fachkraftpositionen schaffen. Wieso passiert das dann so langsam? Die Strukturen, die Schulbild, Weiterbildung und Arbeitswelt zusammenbringen sollten, wirken irgendwie ein bisschen behäbig.
Deutschland kämpft mit einer wachsenden Gruppe von Erwachsenen ohne Berufsabschluss, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt äußerst begrenzt sind. Innerhalb kurzer Zeit ist die Zahl der Ungelernten merklich gestiegen – und die Lücke zum Fachpersonal scheint trotz vieler offener Stellen nicht verringert zu werden. Als einer der Kernpunkte wird die Notwendigkeit genannt, flächendeckende und niedrigschwellige Qualifizierungsangebote zu schaffen. Laut aktuellen Medienberichten (Stand Juni 2024) fordern Experten zusätzliche Investitionen in Bildungsprogramme und flexiblere Nachqualifizierungen, sodass Ungelernte leichter in zukunftsträchtigen Branchen Fuß fassen können. Problematisch bleibt zugleich, dass Sprachbarrieren, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie eine insgesamt fragmentierte Weiterbildungslandschaft den schnellen Anschluss an den Arbeitsmarkt erschweren. Während ältere Arbeitnehmer seltener zur Weiterbildung motiviert sind, könnten jüngere Erwachsene besonders durch digitale und praxisnahe Qualifikationsmaßnahmen profitieren.