Dass Brüssel über den Einsatz neuer genomischer Technologien (NGT) diskutiert, lässt Jan Plagge – Chef des bekannten Öko-Verbands Bioland – kaum ruhen. Seiner Ansicht nach treibt die geplante Liberalisierung des Saatgutmarkts vor allem einen Keil zwischen Verbraucherinteressen und wirtschaftliche Souveränität. Im Gespräch mit dem "Spiegel" äußerte Plagge ernste Bedenken: "Wir verlieren damit die Kontrolle über unser Saatgut und öffnen Patentriesen Tür und Tor. Das schwächt die Landwirte und lässt Lebensmittel teurer werden." Von einer Innovationsbremse ist sogar die Rede – falls die Patentfrage nicht gelöst werde, könnten kleinere Züchter kaum noch mit großen Konzernen mithalten. Was vermutlich die meisten umtreibt: Ohne Kennzeichnungspflicht wäre es für Konsumenten eigentlich unmöglich, Produkte mit Gentechnik zu meiden. Gerade in Deutschland ist die Skepsis nach wie vor stark verbreitet. Für viele Verbraucher zählt schlicht: selbst auswählen zu können, was auf ihren Teller kommt. Fast schon ironisch, dass ausgerechnet ein Gesetz zur Modernisierung bei vielen die Angst vor Einschränkung schürt. Naja, manchmal sind Fortschritt und Freiheit eben nicht ganz leicht unter einen Hut zu bekommen.
Bioland-Präsident Plagge warnt vor gravierenden Folgen für Bauern und Verbraucher, sollte das EU-Parlament die Lockerung der Gentechnik-Regeln ohne klare Patentregelungen beschließen. Kern der Kritik ist die Angst, dass große Unternehmen durch neue Patente den Markt dominieren und die Preise für Essen steigen lassen könnten – auf Kosten von Vielfalt und Transparenz. Hinzu kommt die Frage nach einer Kennzeichnungspflicht für genveränderte Lebensmittel; ohne diese fehlt Verbrauchern die Wahlfreiheit. Aktuelle Recherchen zeigen: Die politische Debatte ist hoch umstritten und Bio-Anbauverbände wie Bioland sind keineswegs allein mit ihrer Kritik. In mehreren Leitmedien spitzt sich die Diskussion zu, ob die geplanten Reformen tatsächlich Innovationen fördern – oder lieber regulierende Schranken brauchen, um einen fairen Wettbewerb und Verbraucherschutz zu sichern. Besonders die möglichen Auswirkungen auf nachhaltige Landwirtschaft und regionale Sortenvielfalt werden kritisch gesehen.