Was für ein aufreibender Abend in der BayArena. Zwei Platzverweise sorgten dafür, dass die Bayern phasenweise mit nur neun Mann ums Überleben kämpften – und am Ende vielleicht heimlich erleichtert die Kabine verließen. Gleich zu Beginn, in Minute sechs, brachte Aleix Garcia die Gastgeber in Front – sein Distanzschuss wurde noch von Jonathan Tah abgefälscht und ließ Bayern-Keeper Neuer keine Chance. Die Münchner suchten vergeblich nach Lücken, das Bollwerk der Leverkusener stand sauber, während die Werkself drauf und dran war, das Ergebnis auszubauen.
Erst nach der Pause kippte die Partie (na ja, zumindest ein Stück weit). Die Bayern wurden aggressiver und schnappten sich in der 69. Minute das 1:1. Michael Olise legte clever für Luis Diaz auf – der ließ sich nicht zweimal bitten und vollendete gegen Keeper Blaswich cool. Doch kurz darauf kippt die Stimmung: In Minute 42 muss Nicolas Jackson nach einem rüden Tritt gegen Martin Terrier runter. VAR, Diskussionen, dann - Rot.
Als wäre das nicht schon bitter genug, sah ausgerechnet der Torschütze Diaz nach einem taktischen Foul in der 84. Minute die Ampelkarte. Die Bayern mussten bis zum Ende zu neunt durchhalten. Leverkusen drückte verzweifelt auf das Siegtor und traf in Minute 93 sogar noch durch Hofmann – der Treffer wurde jedoch wegen Abseits einkassiert. Trotz des harten Kampfes bedeutet das späte Remis sowohl für Leverkusen als auch für die Bayern ein halber Dämpfer: Leverkusen droht, den Anschluss an die Champions-League-Plätze zu verlieren, während Bayern mit nur noch zwei Punkten Vorsprung die Spitze verteidigen kann, da Verfolger Dortmund zuvor klar gewann.
Und sonst so? Dortmund schlägt Augsburg verdient 2:0, Hoffenheim und Wolfsburg trennen sich freundlich mit 1:1, Frankfurt ringt Heidenheim in Alltagstrockenheit nieder.
Dieses turbulente Bundesliga-Spiel zwischen Bayern und Leverkusen zeigte wieder einmal, dass die Liga nie frei von Überraschungen ist – insbesondere, wenn Emotionen, Karten und Millimeterentscheidungen zusammenkommen. Die Roten trotzten der doppelten Unterzahl und entführten mit Glück und Geschick einen Punkt aus dem Rheinland. Interessant dabei: Die Diskussionen um strittige Schiedsrichterentscheidungen und den zunehmend strengen VAR-Einsatz reißen nicht ab – im Netz und auf den Tribünen kochte die Stimmung nach Jacksons Platzverweis lange nach. Leverkusen wiederum wirkt derzeit in der Offensive manchmal zu unentschlossen, was im Rennen um die internationalen Plätze teuer werden könnte. Erstaunlich nebenbei: In der Presse werden die Personalfragen der Bayern – und die Disziplin der jungen Wilden – immer wieder hitzig debattiert. Laut aktueller Berichterstattung bleibt der Kampf um die Meisterschaft ungewöhnlich offen, weitere Punkteverluste könnten die bislang komfortabel anmutende Tabellensituation der Münchner in Gefahr bringen. Darüber hinaus befassten sich viele Medien mit Trainerstrategien, der Rollenteilung zwischen Jungspunden und Routiniers sowie den Folgen der häufigeren Video-Interventionen auf Spielfluss und Emotionen.