Michel Friedman empört über abgesagtes Gedenkkonzert in Bayreuth

Nachdem das Gedenken „Verstummte Stimmen“ mit einer Rede Friedmans in Bayreuth kurzfristig abgesagt wurde, zeigt sich der Publizist schockiert – und nimmt kein Blatt vor den Mund.

heute 15:51 Uhr | 1 mal gelesen

Eigentlich sollte Michel Friedman am 26. Juli die Bayreuther Festspiele mit dem Gedenkkonzert „Verstummte Stimmen“ und einer eigenen Ansprache eröffnen. Nun ist daraus nichts geworden. Wie so oft in Deutschland, wenn es um unbequeme Themen geht, kommt eine bemerkenswerte Ausrede: Die Leitung der Festspiele verweist auf angebliche Sicherheitsprobleme durch die kurz darauf geplante „Rienzi“-Premiere. Friedman hält diesen Einwand für vorgeschoben. Er stellt klar: In einer Demokratie aus Angst vor Drohungen Veranstaltungen zu streichen, hieße, sich selbst die Luft zum Atmen zu nehmen. Sicherheit ließe sich, so Friedmans trockene Kritik, organisieren – stattdessen gebe es laute Sonntagsreden, aber wenig Mut zum Handeln. Fast beiläufig erwähnt er, dass es noch nicht mal Karten für den Gedenkvortrag zu kaufen gab – was bei ihm Zweifel weckt, wie ernst die Organisatoren um Katharina Wagner dieses Erinnern überhaupt gemeint haben. Das alles bekommt zusätzlich Gewicht, wenn man weiß: Richard Wagner, musikalischer Gigant, wurde auch durch seine antisemitische Gesinnung bekannt. Seine Familiennachfahren pflegten enge Kontakte zum Nazi-Regime. „Der Boden in Bayreuth ist kontaminiert“, so Friedman wörtlich – und trotzdem wollte er gerade dort seine Stimme erheben und die Konfrontation suchen. Gerade nach dem 7. Oktober, als für viele das „Nie wieder“ offenbar bloße Worte und keine Haltung waren.

Die kurzfristige Absage des Gedenkkonzerts in Bayreuth stößt auf scharfe Kritik von Michel Friedman, der den Umgang mit Antisemitismus in Deutschland infrage stellt. Besonders problematisch findet Friedman die Ausrede der Festspielleitung, dass Sicherheitsbedenken Anlass zur Absage seien. Parallel dazu wird die schleppende Vorbereitung des Konzerts als Hinweis auf eine fehlende Bereitschaft gewertet, sich wirklich mit der antisemitischen Geschichte rund um Wagner und die Bayreuther Festspiele auseinanderzusetzen. In aktuellen Debatten zur Erinnerungskultur in Deutschland zeigt sich außerdem immer wieder, dass Veranstaltungen zu Antisemitismus oft von Drohungen begleitet sind und häufig unter Sicherheitsaspekten verschoben oder gekürzt werden, wie auch bei anderen Gedenkinitiativen derzeit zu beobachten ist (siehe aktuelle Berichte u.a. von der Süddeutschen Zeitung und FAZ). Nach Recherche aktueller Artikel verstetigen sich die Hinweise, dass die gesellschaftliche Bereitschaft zur offenen Auseinandersetzung mit Antisemitismus und rechter Gewalt in Deutschland unter großem Druck steht – intensive Diskussionen über Erinnerung, Sicherheit und Verantwortung prägen zahlreiche Kulturdebatten.

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