Scharfe Kritik an Kürzungen bei Aufklärung zur Organspende

Ates Gürpinar, Bundestagsabgeordneter der Linken, fordert von Bund und Ländern entschiedenere Informationskampagnen zur Organspende – derzeit werde zu wenig getan.

heute 14:34 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist schon beinahe ironisch: Die Politik feiert halbherzig beschlossene Verbesserungen bei der Organspende, nur um die wenigen Fortschritte gleich wieder zurückzunehmen. Gürpinar bringt es auf den Punkt: Die bestehenden Reformen wurden leidlich umgesetzt und jetzt plant man sogar, die Vergütung für ärztliche Beratung zu streichen – ausgerechnet jetzt. Das ist ein Rückschritt, fast ein Schlag ins Gesicht derer, die auf ein Spenderorgan hoffen. Besonders ärgert Gürpinar, dass die Zugangsbarrieren zum Organspenderegister bestehen bleiben und die Möglichkeit, sich etwa in Rathäusern unkompliziert zu registrieren, weiter fehlt. Auch die Klinikstrukturen bleiben löchrig, Organisation und umfassende Informationskampagnen hängen hinterher. Erwähnenswert ist vielleicht, dass Gürpinar gemeinsam mit Politiker:innen anderer Parteien gegen die sog. Widerspruchslösung kämpft. Der jüngste Bericht aus dem Organspenderegister: Bis Februar 2026 sind etwa 570.000 Entscheidungen erfasst, und die allermeisten erklären sich zumindest teilweise bereit, Organe oder Gewebe zu spenden. Doch Wissen bleibt Mangelware – und wie soll man sich da entscheiden?

Der Vorstoß von Ates Gürpinar gegen die Aufweichung bestehender Maßnahmen zur Organspende rückt ein zähes Dilemma ins Zentrum: Trotz grundsätzlich hoher Bereitschaft fehlt es an niederschwelligen, alltagstauglichen Informations- und Registrierungsmöglichkeiten. Der Plan, die Vergütung für ärztliche Beratung zur Organspende zu streichen, stößt auf massive Kritik – gerade, weil Beratungen essenziell für informierte Entscheidungen sind. In aktuellen Debatten betonen Expert:innen aus Medizin und Politik die Dringlichkeit einer besseren Organisation in Krankenhäusern und transparenten Kampagnen. Laut Eurotransplant warteten Ende 2023 rund 8.500 Menschen in Deutschland auf eine Organspende – viele davon jahrelang. Fachleute wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation weisen darauf hin, dass auch mehr Transparenz und niedrigere Hürden beim Zugang zum Register die Zahl der Spenden erhöhen könnten. Kürzlich berichtete die „Süddeutsche Zeitung“, dass bundesweite Info-Offensiven immer wieder ins Stocken geraten, vor allem durch politische Uneinigkeit und fehlende lokale Unterstützung. Das Thema verlangt also nach mehr als nur Appellen: Es braucht strukturelle Änderungen und langfristige Strategien, die nicht an kurzfristigen Einsparungen scheitern dürfen.

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