In Langenwang sitzt jemand und denkt laut. "Die Regierung ist zufrieden, wenn sich alle nur um sich selbst kümmern und den geistigen, politischen sowie moralischen Missbrauch im Land ignorieren." Das ist ein harter Satz der tschechischen Autorin Eda Kriseová, der ursprünglich die Atmosphäre im postprager-tschechoslowakischen Alltag beschrieb – aber ganz ähnlich wirkt das heute auch für Österreich. Es ist 2026, und Abstumpfung ist der Normalzustand. Täuschung funktioniert so reibungslos, dass kaum noch jemand misstrauisch wird. Moral? Entweder ein ausgelutschtes Schlagwort oder ein Anlass für Spott.
Die Regierung, so scheint es, arbeitet hauptsächlich daran, das System am Laufen zu halten, nicht etwa im Sinne der Bevölkerung. Die Menschen – Peter Filzmaier spricht von „Lemmingen“ – nehmen das hin, fast schon mit einer Art Stolz oder zumindest mit Achselzucken.
Zwei Glaubenssätze halten Österreich am Laufen: Politiker sind nicht tragbar und Korruption ist Standard. Und: Dagegen tun? Zwecklos, war doch immer so. Aber Philosoph Thurnhofer will das nicht als gegeben hinnehmen und bohrt tiefer: Muss das so bleiben?
Er nimmt die politische und gesellschaftliche Gegenwart Österreichs im europäischen Kontext gnadenlos auseinander. Perspektiven suchen und finden – das inspiriert ihn bei Václav Havel, der 1990, als tschechischer Staatspräsident, von einem Europa träumte, in dem Selbstbestimmung und Vielfalt zusammenfinden. Was, wenn wir Havels Vision wieder aufgreifen und uns nicht als Lemminge, sondern als Mitgestalter Europas versuchen würden?
Der Text auf ethos.at inszeniert dazu einen erfundenen, aber feurig konstruktiven Dialog. Da klingt Trotz durch – aber auch Hoffnung.
Der Artikel beschäftigt sich mit politischer Apathie in Österreich und zieht Parallelen zur Tschechoslowakei vor 1989. Hubert Thurnhofer kritisiert die etablierte Resignation und sucht nach Wegen, aus dem Kreislauf von Frustration und Anpassung auszubrechen – inspiriert von Václav Havels Vision einer europäischen Konföderation selbstständiger Staaten. Interessant ist, dass laut aktuellen Medien Österreich tatsächlich unter wachsender Politikverdrossenheit leidet: Neue Untersuchungen zeigen, dass sich das Vertrauen in die Regierung und politische Parteien auf einem Tiefstand befindet, während Bewegungen und Initiativen für mehr Bürgerbeteiligung an Fahrt gewinnen. Die Diskussion um Europas Identität und Zukunft bleibt angesichts geopolitischer, wirtschaftlicher und moralischer Herausforderungen hochaktuell, wie zahlreiche aktuelle Analysen und Meinungsbeiträge unterstreichen. Veränderungen scheinen vielen unmöglich oder unerwünscht, doch die Debatte, wie ein solidarischeres und demokratischeres Europa aussehen könnte, ist lebendig wie lange nicht.