Europäische Banken trotzen Risiken: Forvis Mazars legt neue Studie zur Kreditrisikolage vor

Wien – Der Prüfungs- und Beratungsriese Forvis Mazars hat gerade seine neueste Trendanalyse „Financial reporting of European banks“ vorgestellt. Kernaussage: Europas Banken beweisen trotz anhaltender Unsicherheiten bemerkenswerte Widerstandskraft beim Kreditrisiko. Ein paar Zahlen und ein paar Fragen bleiben dennoch.

heute 12:32 Uhr | 1 mal gelesen

Was fällt bei Forvis Mazars' frischem Bericht am meisten ins Auge? Nun, im Kreise von 26 europäischen Banken wurde für 2025 keine generelle Zunahme der Kreditrisiken sichtbar. Im Gegenteil: Modelle, Quoten, Risiko-Finessen — alles scheint tendenziell stabil. Die Bruttokreditexponierungen klettern, vor allem bei vermeintlich sicheren („Stage 1“)-Engagements, während Rückstellungen für erwartete Kreditverluste – die vielbesprochenen ECLs – sogar ein wenig zurückgehen. Die mittlere Deckungsquote für Kredite zu fortgeführten Kosten sinkt von 1,26% (Ende 2024) auf 1,20%, was gegenüber den Zahlen von vor ein paar Jahren eher ein Signal für Normalisierung als für Beunruhigung ist.

Erträge laufen weiter recht solide. Bei den meisten Banken sieht es ergebnismäßig positiv aus, auch wenn das Wachstum mit 8% geradezu bescheiden wirkt – voriges Jahr waren es immerhin noch 20%. Die erwarteten Kreditverluste beschränken sich auf 13% des operativen Gewinns – ein Wert, der auf den ersten Blick keine Alarmglocken schrillen lässt. Dabei ist interessant: Die sogenannte Management Overlays – das heißt, wie sehr die Banken auf zusätzliche, nicht-modellbasierte Risikovorsorge zurückgreifen – werden immer weniger genutzt. Ihr Anteil am ECL-Topf fällt auf 9% – seit Corona und Finanz-„Stress“ findet offenbar eine Rückkehr zu den eigentlichen Risikomodellen statt.

Die europäische Bankenlandschaft zeigt trotzdem unterschiedliche Facetten: Während 16 der analysierten Banken höhere ECL-Aufwände verbuchen, konnten 10 den Aufwand senken. Das offenbart: Hinter der aggregierten Stabilität verbergen sich teils deutliche Unterschiede, je nach Geschäftsmodell und wirtschaftlichem Umfeld. Eine weitere Verschiebung findet sich zwischen den Risikostufen: Stage 1-Engagements gewinnen an Gewicht, was auf ein „Upgrade“ vieler Kredite oder reges Kreditneugeschäft hindeutet. Gleichzeitig steigen die individuellen Deckungsquoten für riskantere Kredite (Stage 2 und 3) leicht – ein Zeichen für weiter differenzierte, teils vorsichtige Risikobewertungen.

Stimmen aus der Branche, etwa von Peter Wundsam (Managing Partner bei Forvis Mazars, Österreich) oder Georg Fikar (Director Financial Services), hören sich nach routinierter Zuversicht an. Die Banken hätten die Modelllandschaft professionalisiert und mehr Vertrauen in ihre Risiko-Instrumente gewonnen. Die längst nicht abgeräumten Unsicherheiten – von Geopolitik bis Klimarisiken – blieben aber weiterhin in den Modellen präsent. Aber, so der Tenor: Europäische Banken stehen heute robuster da als beim letzten großen Stresstest.

Ein Knackpunkt: Die Berichte für die Studie wurden ausschließlich auf Basis der veröffentlichten Geschäftsberichte erstellt. Sonstige Infos – etwa Hochglanz-Präsentationen oder Pressemeldungen – blieben außen vor. Wer noch tiefer gehen möchte: Die komplette Analyse gibt es bei Forvis Mazars online, mit Einblicken zu Methoden und Datengrundlagen. Noch ein Nebensatz zur Firma: Mit über 40.000 Leuten weltweit und einem festen Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und sauberem Wirtschaften versucht Forvis Mazars, seinem globalen Beratungsanspruch auch in Österreich gerecht zu werden.

Was bleibt von der neuen Forvis Mazars-Erhebung hängen? Erstmal: Offenbar können die großen europäischen Banken der aktuellen Gemengelage aus schwankendem Wirtschaftsklima, geopolitischem Hickhack und Klimapolitik weiterhin recht souverän begegnen. Der Trend zu weniger Management Overlays spricht dafür, dass die Modelle moderner, vielleicht auch mutiger genutzt werden. Unterschiede zwischen den Instituten bleiben, doch der Bankensektor wirkt heute widerstandsfähiger als in den Jahren nach der Pandemie. Ergänzende Medienrecherchen zeigen, dass aktuell viele europäische Banken, trotz Zinsniveaus und Unsicherheiten rund um globale Krisen, stabile Bilanzen halten. Verschiedene Artikel (z.B. bei faz.net oder zeit.de) unterstreichen außerdem die Rolle der Banken bei nachhaltiger Transformation und grenzüberschreitenden Wirtschaftsplänen: Politische Unsicherheiten, etwa durch die französischen Neuwahlen oder den Kurs der EZB, werden ebenfalls diskutiert. Die Stimmung in den Chefetagen bleibt vorsichtig optimistisch – mit einer gehörigen Portion Wachsamkeit.

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