Lange schien die Energiekrise ein Stück zur Seite gerückt zu sein – da taucht sie plötzlich wieder im Gespräch auf. Besonderen Anlass zur Sorge gibt diesmal der nächste Winter.
Gasspeicher als Unsicherheitsfaktor
Brzeski, den man nicht unbedingt als Alarmisten kennt, schlägt diesmal ungewohnt ernste Töne an. Angesichts der aktuell recht mageren Speicherstände reicht ein Durchschnittswinter vielleicht gerade so. Eine Serie frostiger Monate? Dann könnte die größte Sorge plötzlich Realität werden: Das Gas wird knapp.
Überraschenderweise ist die größte Baustelle nicht neu, sondern bekannt – klingt fast wie ein Déjà-vu. Seine Empfehlung: Deutschland solle sich auf die Suche nach zusätzlichen LNG-Quellen machen und als Notreserve die Kohlekessel zu höheren Touren bringen. Nicht schön, aber wohl nötig.
Konnte man das nicht ahnen?
Die Preisfront hat Brzeski klar im Blick. Bleibt der Gaspreis hoch, wird’s für kleinere Anbieter wieder eng. 2022 hat schon gezeigt, wie schnell sie dabei ins Schlingern geraten können – oft, weil sie die gestiegenen Kosten nicht sofort weitergeben dürfen oder können.
Der nächste Preisdruck rollt laut Brzeski auch auf den Ölmarkt zu. Die Zeche zahlen am Ende stets die Verbraucher, die an der Zapfsäule und im Kassenbon merken, wie volatil diese Zeiten sind. Und wieder einmal könnte die Inflation nicht einfach ohne Weiteres vom Gas gehen. Ein Wert jenseits der Drei-Prozent-Marke hält er für fast sicher.
Bedeutung für Verbraucher und Politik
Für Politik und Gesellschaft ist die Lage verzwickt: Wie bringt man Preisstabilität, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut? Die Antworten sind selten bequem. Einmal mehr laufen die Fäden auf die Fragen nach ausreichender Vorsorge und geschicktem Management im Herbst hinaus – Wetter, Weltmarkt und Sparwille könnten den Winter entscheiden.
Es bleibt ein Muster: Die Dramatik der Energieversorgung zeigt sich fast jedes Jahr dann, wenn es schon etwas nach Herbst riecht. Und für die Industrie, die Kommunen, aber auch jeden Einzelnen geht es um mehr als bloße Kosten: Es geht um die Frage, wie verletzlich das Versorgungsnetz am Ende wirklich ist.
Auf den Punkt gebracht
Brzeski rät dringend dazu, schon jetzt jede erdenkliche Reserve zu prüfen – von neuen Importdeals bis zu ungeliebten Kohlelösungen. Warum treiben knappe Ressourcen überhaupt so schnell die Preise? Weil Hektik am Markt immer teuer ist. Wer spät einkauft, zahlt bekanntlich drauf.
Was könnte kommen?
Klar ist: Werden Gas und Öl gemeinsam zu Luxusgütern, schlägt das auch auf alle anderen Lebensbereiche durch. Für die meisten bleibt deshalb nur: Hoffen auf einen milden Winter und kluge Entscheidungen von denen, die jetzt die Hebel in der Hand halten. Ob Engpässe wirklich eintreten, bleibt eine Mischung aus Wetter-Lotterie und politischem Geschick.
ING-Chefvolkswirt Brzeski malt für den nächsten Winter ein düsteres Bild, sollte Deutschland von langer Kälte erwischt werden: Dann könnten die ohnehin niedrigen Erdgasreserven nicht reichen, um die Versorgung reibungslos aufrechtzuerhalten. Brzeski rät dringend dazu, vorab alternative LNG-Quellen anzuzapfen und gegebenenfalls verstärkt auf Kohle zurückzugreifen – auch, um Preis- und Inflationsschübe abzufedern. Neben Haushalten wäre davon auch die Industrie hart betroffen, da höhere Energiepreise erfahrungsgemäß sehr schnell auf Produktionskosten, Verbraucherpreise und letztlich die Inflationsrate durchschlagen.
Zusätzliche Details aus der aktuellen Berichterstattung
Laut Berichten der letzten beiden Tage liegt der Füllstand der deutschen Gasspeicher aktuell bei rund 77 Prozent, was zwar unter dem Vorjahresniveau, aber dennoch über dem europäischen Durchschnitt liegt. Experten sehen darin ein zweischneidiges Schwert: Die Vorräte könnten bei durchschnittlicher Kälte reichen, doch ungewöhnliche Kälteeinbrüche oder Nachschubprobleme – etwa durch Bauarbeiten an wichtigen Pipelines – werden als Risikofaktor betrachtet. Die Bundesregierung verweist auf laufende Initiativen zur Diversifizierung der Energieimporte, betont aber auch die Bedeutung von Sparanstrengungen und weiteren Beschaffungsverträgen – ganz unumstritten ist der stärkerer LNG-Import aus den USA und Katar allerdings nicht, schon wegen möglicher Klimaeffekte. Doch die Lage bleibt gespannt: Die Preise an den europäischen Gasmärkten zogen zuletzt spürbar an, begleitet von Unsicherheiten rund um französische Atomkraftwerke. Der Internationale Währungsfonds sieht Deutschland besonders verwundbar, falls es zu Lieferausfällen bei russischem oder norwegischem Gas käme. Durch Krisenübungen und Reserven will die Bundesregierung für den Ernstfall vorsorgen, doch am Ende entscheidet – wie so oft – das Wetter.