Kliniken: Kaum klimatisierte Patientenzimmer trotz Hitzewellen

Deutsche Krankenhäuser sind gegen zunehmende Hitzewellen kaum gewappnet – ein Großteil der Patientenzimmer verfügt nicht über Kühlmöglichkeiten.

heute 07:39 Uhr | 2 mal gelesen

Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) bringt es ans Licht: Gerade einmal 41 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland können überhaupt Patientenzimmer künstlich herunterkühlen. Klimaanlagen oder vergleichbare Systeme sind in 59 Prozent der Häuser Mangelware – eigentlich ziemlich erschütternd, wenn man sich die immer wärmer werdenden Sommer teils gar nicht mehr anders vorstellen kann. Und selbst von den Häusern mit vorhandener Technik sind im Schnitt nur etwa 24 Prozent der Zimmer tatsächlich kühlbar. Intensivstationen außen vor gelassen, bleiben also Tausende von Patienten im Hitzestress. Interessant: Wer ein kühles Zimmer findet, hatte wohl Glück – jedes zweite Krankenhaus mit „Kühl-Fähigkeit“ hat höchstens elf Prozent kühle Zimmer, das untere Viertel liegt sogar bei nur fünf Prozent. In Allgemeinkrankenhäusern sieht’s meist noch etwas besser aus als in psychiatrischen Einrichtungen. Mitgemacht haben übrigens 458 Krankenhäuser – also keine Miniumfrage.

Der Vorsitzende der Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, schlägt Alarm: Dass Hitze nicht mal im Ansatz so ernst genommen wird wie Kälte („Krankenhaus ohne Heizung wär undenkbar“) – das mache ihn fassungslos. Kühltechnik sei nach wie vor Ausnahme, nicht Regel. Hauptproblem? Wenig originell, aber entscheidend: Geldmangel. Satte 97 Prozent der Häuser nennen fehlende Mittel – dazu kommt der Verwaltungs-Wust und wenig Luft bei Förderanträgen.

Gaß hebt die Verantwortung der Länder hervor. Eigentlich sollten sie für die Investitionen aufkommen, schaffen aber nur rund 60 Prozent. So bleibt’s beim unvollständigen Hitzeschutz, den Krankenhäuser selbst kaum stemmen können. Nicht zu vergessen: Die Folgen lassen sich zahlenmäßig fassen. Laut Robert-Koch-Institut starben diesen Sommer rund 12.500 Menschen hitzebedingt – ein Warnsignal, das laut Gaß beschämend spät zündet. Sein Appell: Diesen Missstand sollten Politik und Verwaltung dringend und praktisch noch vor dem nächsten Sommer ins Visier nehmen – das Gebot der Stunde.

Die Untersuchung zeigt deutlich, wie schlecht Deutschlands Kliniken auf die zunehmenden Hitzewellen reagieren können: Nur jedes zehnte Patientenzimmer, bestenfalls, lässt sich effektiv kühlen. Ursachen sind fast immer finanzieller Natur – die Bundesländer verfehlen ihre Pflicht, ausreichend zu investieren, während Bürokratie und fehlende Programme zusätzlich ausbremsen. Die Diskussion um mehr Hitzeschutz erhielt angesichts der hohen Zahl der diesjährigen Hitzetoten neuen Schub; Experten fordern zügige und konkrete Lösungen, die insbesondere vulnerable Gruppen wie Seniorinnen und chronisch Kranke schützen. Darüber hinaus weisen aktuelle Artikel etwa darauf hin, dass bauliche Sanierungen und innovative Lüftungskonzepte kaum gefördert werden und die Problematik in Pflegeeinrichtungen noch gravierender ist als in Akutkliniken. Vor allem die Kombination aus rasch alternder Bevölkerung, Klimawandel und investiven Rückständen droht das deutsche Gesundheitssystem auf eine harte Probe zu stellen. In der Politik diskutieren Interessengruppen inzwischen hitziger als zuvor – konkrete Gesetzesinitiativen oder Sonderförderungen stehen allerdings noch aus.

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