„Ich gebe nicht auf. Was auch immer sich die Regierung Venezuelas ausdenkt: Mich werden sie nicht los. Es ist keine Frage des Ob – nur eine Frage des Wann“, erzählte Machado gegenüber dem ‚Spiegel‘.
Im Dezember letzten Jahres ist sie, fast schon wie in einem Spionageroman, von der Regierung unbemerkt nach Norwegen gelangt, um dort entgegen aller Erwartungen den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Im Gespräch mit dem Magazin erinnerte sie sich an jene gefährliche Nacht: Verkleidet – Sonnenbrille, blonde Perücke, als würde sie eine andere Rolle spielen –, fuhr Machado zu einem abgelegenen Küstenabschnitt. Dort stieg sie in ein kleines Boot, das sich im tosenden Sturm orientierungslos über das Meer schleppte. Navigationsgerät defekt, Satellitentelefon tot, Starlink nutzlos. Der Wellengang wurde so heftig, dass Machado auf einer Eisenbank aufprallte. Erst später merkte sie: Ein Rückenwirbel war gebrochen.
Glück im Unglück – ein weiteres Boot wartete bereits, brachte sie nach Curacao, von hier dann weiter nach Oslo.
Interessanterweise hätte sie kurzzeitig sogar auf eine Machtübernahme in Venezuela gehofft, nachdem US-Präsident Donald Trump Anfang dieses Jahres überraschend Nicolás Maduro kidnappen ließ und in die USA überstellte. Doch statt Machado wurde Delcy Rodriguez eingesetzt, Maduros Stellvertreterin – ein bitterer Zug aus Washington.
Nach den Erdbeben im Juni überkam Machado erneut der Wunsch zurückzukehren – der Drang, an der Seite der Menschen zu stehen. Den Versuch unternahm sie gleich zweimal. „Aber es ging einfach nicht – sie ließen mich nicht“, gab sie zu. Gleichzeitig fehlte ihr der nötige Rückhalt.
Heute kämpft sie für eine demokratische Wende. Ihr Ziel: freie, faire Wahlen. Dafür braucht es eine unabhängige Wahlkommission, besetzt mit integeren Persönlichkeiten, wie es die Verfassung verlangt.
María Corina Machados abenteuerliche Flucht aus Venezuela nach Norwegen, um den Friedensnobelpreis zu holen, liest sich wie ein Politthriller: Verkleidung, Sturm, kaputte Technik, Verletzungen, und die ewige Unsicherheit. Bremsen lässt sie sich davon nicht – ihr Ziel ist nach wie vor der Wandel in ihrem Heimatland, insbesondere durch demokratische Wahlen und eine transparente Wahlleitung. Angesichts der anhaltenden politischen Spannungen in Venezuela beharrt sie auf ihrem Widerstand gegen das Regime und ist, trotz aller Rückschläge und fehlender internationaler Unterstützung, fest entschlossen, irgendwann zurückzukehren und Veränderungen herbeizuführen.
Laut aktuellen Berichten zum Thema ist die politische Lage in Venezuela weiterhin instabil: Präsident Maduro hat den Wahltermin für 2024 bestätigt – Oppositionelle klagen jedoch über systematische Behinderungen und Einschüchterungen, die unabhängige Kandidaten wie Machado betreffen. Besonders auffällig ist die andauernde Kontrolle des Obersten Gerichts über die Wahlkommission, wodurch die Unabhängigkeit der Abstimmungen infrage steht. Trotz internationaler Appelle auf faire Wahlen bleibt die Situation für die venezolanische Opposition prekär.