Zahl der Behandlungsfehler in Deutschland bleibt auch 2025 hoch

Der Medizinische Dienst deckte für das Jahr 2025 erneut eine beträchtliche Menge an vermuteten Behandlungsfehlern auf – über 11.700 fachärztliche Gutachten wurden bundesweit erstellt.

heute 11:48 Uhr | 2 mal gelesen

Die Mitteilung kam am Donnerstag aus Berlin: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 11.735 Verdachtsfälle von potenziellen Behandlungsfehlern fachärztlich begutachtet, meldet der Medizinische Dienst. In etwa jedem vierten Fall erkannten die Experten einen Fehler, der einen Schaden verursacht hat, und in rund 2.700 Fällen war dieser Fehler direkt für das gesundheitliche Problem verantwortlich. Besonders gravierend: In 97 Untersuchungen trugen die Fehler maßgeblich zum Tod der Betroffenen bei. Diese Statistiken bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs ab – Fachleute vermuten, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt zwischen 350.000 und 700.000 vermeidbare Schadensereignisse jährlich bei Klinikbehandlungen in Deutschland auftreten könnten – eine erschreckende Zahl, die nicht nur menschliches Leid, sondern auch enorme finanzielle Einbußen bedeutet. Der Aufwand für die Nachsorge und Kompensation dieser Fehler schlägt laut OECD mit einem beachtlichen Anteil von bis zu 15 Prozent der Krankenhauskosten zu Buche, was insgesamt für 2025 rund 16,7 Milliarden Euro für die gesetzliche Krankenversicherung bedeutet. Stefan Gronemeyer, Vorstandschef des Medizinischen Dienstes Bund, betont: Jede verhinderte Fehlbehandlung bedeutet weniger Leid und spart zugleich erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem. Erschreckend sind auch die sogenannten "Never Events" – also Fehler, die (theoretisch) nie passieren sollten. Im Jahr 2025 waren das 150 krasse Fälle, von zurückgelassenen OP-Materialien bis hin zu fatalen Patientenverwechselungen. Auffällig bleibt: Zwei Drittel der Fehlervorwürfe stammen aus Krankenhäusern (über 7.600 Fälle), während rund ein Drittel ambulante Behandlungssettings betrifft. Orthopädie und Unfallchirurgie liegen mit Abstand vorn, gefolgt von der Inneren Medizin/Allgemeinmedizin, Gynäkologie, Zahnmedizin sowie Allgemein- und Viszeralchirurgie. Fehlerhafte Behandlungen bei häufigen Diagnosen wie Gelenkverschleiß, Knochenbrüchen oder Gallensteinen sind nach wie vor an der Tagesordnung – ein Thema, das viele betrifft und wohl auch künftig für Diskussionsstoff sorgen wird.

Die Statistik des Medizinischen Dienstes für 2025 wirft ein schonungsloses Licht auf die weiterhin große Zahl an Behandlungsfehlern in Deutschland, wobei Experten von einer drastischen Dunkelziffer ausgehen. Hauptursachen liegen im stationären Sektor; Schwerwiegendes wie sogenannte "Never Events" kommen weiterhin regelmäßig vor, und insbesondere orthopädisch-chirurgische Disziplinen dominieren das Fehlergeschehen. Eine verbesserte Fehlerkultur sowie systematischere Sicherheitsmaßnahmen könnten nach Meinung mehrerer Fachleute Leid verhindern und Kosten für das ohnehin unter Druck stehende deutsche Gesundheitssystem senken. Ergänzend zeigen aktuelle Artikel: Die taz berichtet, wie durch den zunehmenden Personalmangel in deutschen Krankenhäusern das Risiko für ärztliche Fehler steigt und mahnt nachhaltige Reformen an (Quelle: taz). Die Süddeutsche thematisiert in einem Hintergrundbericht die psychologischen Folgen von Behandlungsfehlern auf Patientinnen und Patienten sowie auf das medizinische Personal (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Der Spiegel beleuchtet, wie internationale Vergleiche zeigen, dass Länder mit robusteren Meldesystemen für Fehler und mehr Transparenz tatsächlich eine spürbar niedrigere Fehlerquote erreichen (Quelle: Spiegel Online). Eine vorsichtige Schlussfolgerung: Wer auf den richtigen Umgang mit Fehlern setzt, kann einen großen Schritt in Richtung mehr Patientensicherheit machen – und nicht zuletzt eigenen Schaden abwenden.

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