Münchner Brandanschlag: Verdächtiger stand bereits 1972 im Fokus

Schon zu Beginn der 1970er Jahre geriet der mutmaßliche Täter des tödlichen Brandangriffs auf ein jüdisches Altenheim in München ins polizeiliche Fadenkreuz. Laut 'Spiegel' hatte man bereits frühzeitig den einschlägig bekannten Neonazi und Wiederholungstäter Bernd V. ins Visier genommen.

heute 10:59 Uhr | 2 mal gelesen

Der Anstoß für die damalige Ermittlung war ungewöhnlich: Ein Mithäftling gab an, Bernd V. habe ihm während einer gemeinsamen Haftzeit durch die Blume gestanden, mit dem Brandanschlag zu tun zu haben. Die Staatsanwaltschaft nahm den Hinweis offenbar ernst genug, um im Sommer 1972 ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und V. offiziell zu befragen. Doch dieser stritt alles ab – keine wirklichen Spuren, nur Andeutungen. Das Beweismaterial erwies sich als zu dünn, die Aussagen des Informanten alleine reichten nicht. 1974 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wieder ein. Erst Jahre später, im Jahr 2025, trat eine neue Zeugin auf den Plan, die Bernd V. erneut schwer belastete. Tragischerweise konnte das Puzzle diesmal nicht mehr vollständig gelegt werden: V. war zu diesem Zeitpunkt längst verstorben, schon seit Juni 2020. Manchmal ist die Zeit eben nicht nur Heilerin, sondern auch Zerstörerin von Hoffnung auf Aufklärung.

Der schwere Brandanschlag auf ein jüdisches Seniorenheim in München 1970, bei dem sieben Menschen starben, zieht sich wie ein düsterer Schatten durch die deutsche Nachkriegsgeschichte. Trotz früher Verdachtsmomente gegen den bekannten Neonazi Bernd V. und wiederholter Hinweise – zuletzt erst durch eine neue Zeugin in 2025 – konnte der Täter nie zur Rechenschaft gezogen werden, nicht zuletzt weil V. bereits 2020 starb. In den letzten Tagen wurde mehrfach über wiederauflebende Ermittlungen rund um rechtsextreme Gewalt, antisemitische Angriffe und lange offene Altfälle berichtet: Experten fordern, systematische Untersuchungen von Cold Cases mit möglichem politischem Hintergrund zu intensivieren, da antisemitische und rechtsradikale Motive häufig über Jahrzehnte unterschätzt oder übersehen wurden – auch im Licht neuer Forschung, die Kontinuitäten rechter Gewalt in Deutschland belegt (siehe aktuelle Analysen z.B. der Süddeutschen Zeitung, Zeit Online und der TAZ).

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