Milliarden durch Zuckersteuer? Getränkebranche warnt vor teurer Last

Die Einführung einer Zuckerabgabe auf Softdrinks alarmiert die Getränkebranche: Branchenvertreter gehen von Milliardeneinnahmen aus – deutlich mehr, als die Regierung in ihren Planungen einkalkuliert.

heute 08:59 Uhr | 3 mal gelesen

Mit dem Vorschlag einer Zuckersteuer schiebt sich Deutschland unvermittelt in den Mittelpunkt eines finanzpolitischen Ringens – und die Gemüter kochen so hoch wie selten.

Schätzungen sprengen den Rahmen

Die führenden Verbände der Getränkeindustrie – darunter der Brauer-Bund, der Mineralbrunnenverband und die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke – lassen wenig Raum für Illusionen: Sie befürchten Einnahmen durch Steuer und Mehrwertsteuer von um die vier Milliarden Euro jährlich. Für einen Moment klingt das wie eine Zahl aus einer anderen Sphäre, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Regierung bislang mit rund 450 Millionen plant. Der Krach um die Differenz ist programmiert – und offen gesagt, kann man es keinem Marktteilnehmer oder Kunden verübeln, bei so viel Unsicherheit erstmal die Stirn zu runzeln.

Teurere Getränke – sichtbarer Effekt

Für die, die ihre Flaschenlimo nicht missen möchten, wird’s handfest: Zwischen 2,50 und 4,50 Euro pro Kasten könnten draufschlagen – so ungern man es auch liest. Damit wäre der Softdrink-Genuss hierzulande dem europäischen Steuerspitzenfeld sehr nah. Wie man so schön sagt: Plötzlich sitzt das Finanzamt fast mit am Küchentisch.

Industrie befürchtet Belastungswelle

Die Stimmen der Wirtschaft sind, nun ja, erwartbar kritisch. Holger Eichele etwa, Vorstand beim Brauer-Bund, äußerte, dass ohnehin überall steigende Preise zu verkraften sind – da klinge das politische Mantra von "bezahlen dürfen" fast schon wie ein Witz. Ein Dilemma, in dem die Steuer nicht nur zum Stolperstein, sondern vielleicht zum Spaltpilz für einen ohnehin nervösen Markt werden könnte. Die Debatte weckt Assoziationen zu den Streitereien um den Spritpreis – bloß diesmal geht es eben um Fanta, nicht um Super E10.

Ein Blick durch die persönliche Brille

Ich finde: Steuern wie diese sind – zumindest auf dem Papier – oft ein Schritt in Richtung einer gesünderen Gesellschaft. Doch sind sie ohne soziale Abfederung nicht schlicht eine zusätzliche Last für die, die schon von Preissprüngen gebeutelt sind? Vielleicht verrät es einfach auch viel über eine Gesellschaft, dass wir nach jedem politischen Vorschlag zuerst fragen: Wer zahlt's diesmal wirklich?

Die geplante Zuckerabgabe auf zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zieht einen tiefen Graben zwischen Wirtschaft und Politik: Branchenprognosen gehen von rund vier Milliarden Euro jährlichen Mehreinnahmen aus – das Zehnfache dessen, was der Bundeshaushalt bisher vorsieht. Für Verbraucher:innen dürfte sich der Einkauf von Limo und Cola spürbar verteuern, womit sich die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit dieser Maßnahme aufdrängt. Widerspruch kommt vor allem von Branchenvertretern und Sozialverbänden, während politische Stimmen angesichts der Kritik über gezielte Entlastungen für sozial Schwächere und Staffelungen der Steuerhöhe nachdenken; wissenschaftlich bleibt umstritten, wie kräftig eine solche Steuer das Konsumverhalten und die Gesundheit tatsächlich beeinflusst.

Neue Entwicklungen & aktuelle Debatte

Jüngste Berichte – unter anderem beim Spiegel, in der Süddeutschen Zeitung und bei Zeit Online – zeigen, dass Verbraucherschützer fordern, die Zuckersteuereinnahmen verbindlich in Präventionsmaßnahmen zu investieren, während Gewerkschaften warnen, die Lasten dürften nicht auf ärmere Bevölkerungsschichten abgewälzt werden. Die Politik erwägt, gezielt zuckerreiche Produkte stärker zu besteuern und sodann Alternativen wie ungesüßte Getränke durch geringere Abgaben zu fördern. Internationale Erfahrungen beispielsweise aus Großbritannien und Mexiko liefern widersprüchliche Daten: Der Absatz zuckerhaltiger Softdrinks sank dort zwar, aber ob sich daraus tatsächlich ein gesundheitlicher Mehrwert für die Bevölkerung ergibt, ist nicht eindeutig belegt und bleibt Streitpunkt.

Schlagwort aus diesem Artikel