NEWAG startet Zulassungsverfahren für Griffin-Lokomotiven in Deutschland

Der polnische Schienenfahrzeugbauer NEWAG setzt zum Sprung auf den deutschen und österreichischen Markt an: Die Mehrsystem-Elektrolokomotive Griffin E4MSUa soll künftig auch hierher rollen. Mit dem offiziellen Beginn der Zulassung nimmt das Unternehmen eine wichtige Hürde in Angriff, die nicht nur technische, sondern auch unternehmerische Folgen hat.

heute 14:42 Uhr | 3 mal gelesen

In diesen Tagen steht die Griffin E4MSUa-002 am Bahnhof von Buchs in der Schweiz – dort werden ihre elektrischen Auswirkungen auf die umgebende Bahn-Infrastruktur geprüft. Sobald diese Etappe durch ist, zieht das Testteam nach Deutschland weiter. Gleichzeitig werkelt die Schwesterlok, die E4MSUa-015, im tschechischen Velim und unterzieht sich den umfangreichen EMV-Tests, um alle Vorgaben für Deutschland zu erfüllen und den Weg für die nächsten Zulassungsschritte zu ebnen. Tests in Tschechien und der Slowakei wurden bereits mit positiven Resultaten abgeschlossen. Nun läuft das offizielle Genehmigungsverfahren und soll im zweiten Quartal bei der Europäischen Eisenbahnagentur die Betriebsfreigabe für diese Länder anstoßen. Übrigens: Die gesamte Zulassung und Auslieferung läuft nach Vertrag mit PKP Intercity – ein recht großes Ding, wenn man NEWAGs Expansionsziele bedenkt. Die Griffin-Lokomotiven sind Multitalente für Polen, Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowakei und Ungarn, da sie auf allen dort üblichen Spannungssystemen unterwegs sein können: 3 kV Gleichstrom, 15 kV und 25 kV Wechselstrom – ziemliche Flexibilität also, gerade für grenzüberschreitenden Verkehr. Die neue Baureihe bekommt durchweg ETCS Level 2, das für mehr Sicherheit und modernere Zugsteuerung sorgt. Presseinfos und weitere Details findet man direkt bei NEWAG.

NEWAG setzt mit der Griffin E4MSUa-Lokomotive zum Eintritt in den deutschen und österreichischen Bahnmarkt an – Ein bedeutender Schritt für das polnische Unternehmen, welches technisch und strategisch auf Expansion in Mitteleuropa setzt. Die aktuellen Prüfungen sind aufwendige Prozeduren, da sowohl die elektrischen Eigenschaften als auch die Übereinstimmung mit den einzelnen Landesnormen unter Beweis gestellt werden müssen; hier zeigt der europäische Eisenbahnmarkt seine komplexen Hürden. Ergänzend dazu sind die europäischen Bahnsysteme aktuell durch Digitalisierung und Systemharmonisierung stark in Bewegung: Das europäische Zugsicherungssystem ETCS Level 2 bildet dabei das Rückgrat für internationale Zugfahrten – auch, um die Verkehrsnetze nachhaltiger und sicherer zu gestalten. Auf dem Hintergrund eines wachsenden Schienenverkehrs – nicht zuletzt getrieben durch Diskussionen um Klimaschutz und Verkehrsverlagerung – ist dies ein politisch und wirtschaftlich hochrelevanter Markteintritt. Dass NEWAG mit PKP Intercity einen starken lokalen Partner hinter sich hat, dürfte die Marktchancen erhöhen.

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