Wachstumstreiber gesucht: Warum mehr Ingenieurinnen Deutschlands Innovationsmotor anwerfen könnten

Direkt vor dem Start der Hannover Messe zeigen neue Daten, wie viel wirtschaftliches Potenzial Deutschland ungenutzt lässt – und zwar vor allem, weil Frauen in technischen Berufen kaum zum Zuge kommen.

17.04.26 10:22 Uhr | 8 mal gelesen

Es ist irgendwie seltsam: Während draußen das große Gerede von Fachkräftemangel tobt, liegt eine der lohnendsten Lösungen noch beinahe unbeachtet vor uns. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben, pünktlich zur Hannover Messe, ein Gutachten präsentiert – mit einer ziemlich eindeutigen Botschaft. Deutschland könnte jährlich bis zu 7 Milliarden Euro zusätzlich erwirtschaften, wenn Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen stärker vertreten wären. Derzeit macht ihr Anteil lediglich 20,6 Prozent aus, also etwa jede fünfte Stelle. Besonders augenfällig ist das Missverhältnis in Branchen wie Maschinenbau und Elektrotechnik: Hier kommt der Frauenanteil nicht einmal in die Nähe der Zehn-Prozent-Marke. Was bedeutet das konkret? Es fehlen rund 56.000 weibliche Fachkräfte in den genannten Berufen. Nicht die Technik, sondern die Umsetzung – genauer: die Nutzung menschlicher Ressourcen – entscheidet über den wirtschaftlichen Kurs. Adrian Willig (VDI) meint dazu nüchtern: "Das ist schlicht ein Wachstumsthema." Interessant am Rand: Viele Frauen mit technischem Abschluss landen letztlich in anderen Feldern, etwa der Forschung oder im Bildungsbereich, nicht im industriellen Kern. Gerade für junge Frauen ist, so scheint es, das Interesse an Umwelt- oder Klimathemen ein wichtiger Faktor – aber die klassischen Technikbranchen wirken nach wie vor abschreckend. Ob das an einem Mangel an Vorbildern liegt, an Netzwerken, an alten Strukturen oder schlicht an den oftmals wenig familienfreundlichen Arbeitsbedingungen? Wahrscheinlich ist es, wie so oft, eine Mischung aus vielem. Die wissenschaftlich fundierten Empfehlungen der Studie sind breit gefächert: flexible Arbeitsmodelle, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gezielte Weiterbildungen, aber auch das Sichtbarmachen von Role Models. Der VDI fördert diese Aspekte bereits durch Mentoring-Programme und spezielle Netzwerke. Letzten Endes geht’s weniger um Gleichstellung als um einen enormen Hebel für Wachstum und eine wuchtige Modernisierung, die dem Industriestandort ziemlich guttun könnte.

Nach Einschätzung zahlreicher Fachleute bleibt Deutschland weiterhin deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurück, weil Frauen nach wie vor viel zu selten in technischen Berufen landen. Der Frauenanteil in den Ingenieurwissenschaften stagniert und liegt weit unter dem europäischen Durchschnitt. Zu den Hemmnissen gehören nicht nur strukturelle Hürden wie fehlende Kinderbetreuung oder konservative Unternehmenskulturen, sondern auch gesellschaftliche Vorurteile und mangelnde Vorbilder. Neuere Recherchen betonen, dass die Zahl der weiblichen Studienanfängerinnen in MINT-Fächern zwar langsam wächst, aber besonders in den klassischen Ingenieurdisziplinen weiterhin massive Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Im internationalen Vergleich berichten FAZ und Süddeutsche, dass Länder wie Schweden oder Spanien bei der Integration von Frauen in technische Berufe deutlich weiter sind. Unterdessen kritisieren Branchenvertreter in aktuellen Interviews auf t3n und Spiegel, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur Talente verliert, sondern auch Innovationskraft – eine Tatsache, die im Digitalzeitalter besonders schwer wiegt.

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