Frauenförderung: Unternehmen in Deutschland setzen verstärkt auf feste Strukturen

Immer mehr Betriebe in Deutschland verankern gezielt Maßnahmen zur Förderung von Frauen – die meisten stellen dafür sogar spezielle Ansprechpartner auf.

heute 09:42 Uhr | 3 mal gelesen

Jüngst hat eine Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom ziemlich deutlich gemacht: 72 Prozent der befragten deutschen Unternehmen haben eine bestimmte Person oder Abteilung für das Thema Frauenförderung bestimmt. Interessant dabei: Fast die Hälfte, nämlich 48 Prozent, sieht die Verantwortung bei der Geschäftsleitung selbst – was einerseits nach Bekenntnis klingt, andererseits auch riskant sein kann, wenn das Thema dann doch bei der Chefin oder dem Chef liegen bleibt. In 29 Prozent der Firmen fallen diese Aufgaben ins Ressort Personal (oder schlicht 'HR'), bei weiteren 20 Prozent landet’s irgendwo auf der Ebene mittlerer Führung. Spannend – und vielleicht sogar sympathisch altmodisch – ist: 26 Prozent der Unternehmen stellen ausdrücklich Gleichstellungsbeauftragte ab, während 12 Prozent auf sogenannte Diversity-Beauftragte setzen. Ich frage mich, ob und wie sehr diese Unterscheidung im Alltag überhaupt einen Unterschied macht. Apropos Alltag: Insgesamt wurden 603 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern telefonisch befragt, die Interviews fanden von der 50. Kalenderwoche 2025 bis zur 6. Kalenderwoche 2026 statt. Eine lange Spanne – überraschend eigentlich. Wahrscheinlich wollte man wirklich viele Stimmen einfangen.

Der Trend, Frauenförderung organisatorisch zu verankern, spiegelt eine Entwicklung wider, die in deutschen Unternehmen tatsächlich immer mehr an Fahrt gewinnt. Neben Bitkoms Umfrage zeigen zahlreiche aktuelle Artikel, dass Unternehmen nicht nur auf formale Verantwortliche setzen, sondern zunehmend auch Programme für mehr Chancengleichheit und Diversität implementieren. Dennoch bleibt die Frage offen, wie weit die Maßnahmen über die reine Benennung von Zuständigen hinausgehen – einige Stimmen aus Medien und Wissenschaft warnen, dass ohne konkreten Kulturwandel die Wirkung häufig an symbolischen Maßnahmen hängen bleibt. Neuere Entwicklungen deuten aber darauf hin, dass insbesondere nach mehreren öffentlichkeitswirksamen Debatten um Gleichberechtigung der Handlungsdruck gestiegen ist, weshalb ernstzunehmende Fortschritte und Kennzahlen in den kommenden Jahren wahrscheinlicher werden.

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