Dienstpläne schreiben, Abläufe koordinieren, Medikamente verabreichen, dabei stets den Blick auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten – all das lag in den Händen der angehenden Pflegefachkräfte. Was nach einem Sprung ins kalte Wasser klingt, ist gut begleitet: Erfahrene Praxisanleiter und das Pflegeteam standen den Nachwuchs-Pflegern unterstützend zur Seite, ließen dabei jedoch Freiraum zum Ausprobieren und Entscheiden. Im Mittelpunkt stand nicht das Haken am Aufgabenplan, sondern das Verstehen komplexer Arbeitsabläufe und das Trainieren eigenständigen Handelns. Die jungen Leute dokumentierten Vitalwerte, planten Entlassungen, empfingen neue Patienten und begleiteten Visiten, immer mit dem Anspruch, professionell zu agieren – auch unter Druck. Besonders spannend war für viele die Zusammenarbeit mit verschiedenen Berufsgruppen. Wer einmal mit Ärzten, Therapeuten und Sozialdienst einen reibungslosen Ablauf zuständig war, merkt schnell, wie wichtig Kommunikation und Kooperation sind – und wie sehr Pflegeberufe davon geprägt sind, Verantwortung zu schultern.
Ein Stück weit, so brachte es Pflegedirektorin Elisabeth Hertel auf den Punkt, dient das Projekt dazu, früh echte Krankenhausluft unter den Flügeln zu fühlen und sich fachlich wie persönlich zu entwickeln. Auch Katrin Manzau, Gesamtleitung der Berufsfachschulen, betonte: Wer einmal so eigenständig agiert hat, gewinnt ganz andere Sichtweisen auf den Pflegeberuf – jenseits der klassischen Unterrichtsatmosphäre. Unsicherheiten weichen ersten Routinen, das eigene Zutrauen wächst. Interessanter Nebeneffekt: Aus Angst vor Verantwortung wird oft überraschend schnell Stolz auf das Geleistete.
Der RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt steht für moderne, digital vernetzte Medizin im ländlichen Raum. Auf dem Campus arbeitet man an Schnittstellen von ambulanter und stationärer Versorgung, Fachkliniken und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Das Zusammenspiel verschiedenster Disziplinen und die Einbindung innovativer IT sind dabei Alltag.
Im Rahmen dieses einzigartigen Projekts übernahmen 20 Auszubildende eigenständig die Leitung einer Pflegestation. Dabei wurden sie zwar unterstützt, trugen aber für eine Woche Verantwortung für Organisation, Patientensicherheit und Kommunikation im Team. Solche Projekte sind in Zeiten des Fachkräftemangels wichtiger denn je, wie aktuelle Berichte zeigen: Laut einer neuen Studie des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) erleben Pflegeauszubildende durch frühe Praxisverantwortung mehr berufliches Zutrauen und sehen eine größere Chance, dauerhaft in der Pflege zu bleiben.
Mehrere aktuelle Quellen bestätigen diese Entwicklung: Die Süddeutsche berichtet, dass innovative Ausbildungsprojekte den Pflegeberuf attraktiver machen, um dem eklatanten Personalmangel entgegenzuwirken. Im Spiegel werden Schwierigkeiten bei der Pflegeausbildung thematisiert und betont, wie frühzeitige, eigenverantwortliche Praxisphasen nicht nur Fachkenntnisse stärken, sondern auch den Teamzusammenhalt und die Begeisterung für den Beruf. Laut dem Deutschen Ärzteblatt konzentrieren sich die Reformen in der Pflegeausbildung zunehmend auf Teamarbeit, Praxisnähe und beispielsweise digitale Lernformate, die in solchen Projekten bereits erprobt werden.