Dem Nachrichtensender "Welt" erklärte Stauffenbergs Enkel: Man könne, demokratisch gesehen, der AfD nicht verwehren, an einer solchen Gedenkfeier einen Kranz niederzulegen. 'Wir sind doch gerade deshalb Demokraten, weil wir auch unbequeme Meinungen nicht einfach aussperren dürfen,' so seine Überzeugung. Trotzdem – und das betonte er mehrfach – sei der Versuch der AfD, seinen Großvater politisch zu vereinnahmen, für ihn persönlich 'abstoßend und respektlos'. Er widersprach ausdrücklich der von AfD-Vertretern geäußerten These, dass Claus Schenk Graf von Stauffenberg heute möglicherweise die AfD wählen würde: Da sein Großvater nie die Nachkriegsdemokratie erlebt habe, ließe sich so etwas weder vermuten noch behaupten. Vielmehr sei sein Vermächtnis, dem Terror zu widerstehen, heute aktueller denn je. Besonders angeekelt zeigte sich Stauffenbergs Enkel über den sarkastischen Witz des Kabarettisten Uwe Steimle bei einer AfD-Veranstaltung zuvor – das sei einfach zu viel gewesen. Das Gedenken an den 20. Juli 1944 sei, so seine Mahnung, nicht bloß Symbolik, sondern müsse dazu führen, Konsequenzen aus der Geschichte zu ziehen. 'Demokratie ist natürlich keine Selbstverständlichkeit', gab er zu bedenken. Die Aufgabe sei es, zu verhindern, dass menschenverachtende Regime wie NS-Deutschland oder auch die DDR-Gewaltherrschaft in irgendeiner Form wiederkehrt. Kurioses am Rand: Bei der offiziellen Zeremonie kam es zu einer unschönen Szene, als Tobias Korenke, Großneffe von Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, erfolglos versuchte, den Kranz der AfD zu entfernen. Es entstand ein kurzes Handgemenge mit dem Sicherheitspersonal.
Der Enkel Claus Schenk Graf von Stauffenbergs vertritt eine klare Haltung: Er hält es für einen demokratischen Grundsatz, dass auch kontroverse Parteien wie die AfD an nationalen Gedenkveranstaltungen teilnehmen können, kritisiert jedoch deren Versuch, historische Persönlichkeiten wie seinen Großvater für parteipolitische Zwecke zu instrumentalisieren. Seiner Ansicht nach ist das Gedenken an den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 nur dann sinnvoll, wenn es mit einer echten Bereitschaft einhergeht, aus der Geschichte Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Eine Zuspitzung erhielt das Thema durch die versuchte Entfernung des AfD-Kranzes durch einen Nachfahren Bonhoeffers, wobei das Ereignis auch mediale Debatten über das richtige Gedenken und politische Vereinnahmung befeuert hat. – Ergänzend neue Details: In den letzten Tagen gab es verstärkte mediale Diskussionen darüber, wie ein offener und gleichzeitig respektvoller Umgang mit kritischen politischen Akteuren im Zusammenhang mit nationaler Erinnerungskultur aussehen kann. Die Bundesregierung äußerte sich zurückhaltend, betonte aber die Offenheit des Gedenkens für alle gesellschaftlichen Gruppen, solange Grundwerte nicht verletzt werden. Parallel ergaben aktuelle Umfragen, dass ein Großteil der Deutschen eher zurückhaltend bis deutlich ablehnend auf die symbolischen Gesten der AfD bei Gedenkveranstaltungen blickt.