Mal ehrlich, wer denkt schon beim Iran-Krieg als Erstes an das abendliche Brot in Mali oder an den Weltmarktpreis für Reis? Doch genau darauf weisen der WFP-Leiter Deutschland, Martin Frick, und SIPRI-Direktor Karim Haggag hin – und zwar mit Nachdruck. In ihrem Gastbeitrag (erschienen im Redaktionsnetzwerk Deutschland) berichten sie, dass die Blockaden der Meerenge von Hormus Spuren in Lieferketten und auf den Feldern Afrikas und Asiens hinterlassen: Energiepreise steigen, Düngemittel werden kostspieliger, das Saatgut kommt zu spät. Kurios eigentlich, wie ein Geschehen irgendwo zwischen Persischem Golf und Teheran die Reisernten von Sierra Leone bedroht. Die Autoren warnen: Selbst eine plötzliche Entspannung in der Region würde die Hungerzahlen nicht sofort einpendeln lassen – zu tief sitzen die Störungen. Ganz zu schweigen davon, dass die politischen Gelder für Welternährungsprogramme oft als Luxusreserve behandelt werden und Krisenregionen immer wieder leer ausgehen. Frick und Haggag pochen deshalb auf höhere deutsche Investitionen in die Hungerhilfe und halten es für widersinnig, dass Staaten immer mehr in Militärisches buttern, aber bei der humanitären Hilfe auf Sparflamme schalten. Noch seien Spenden der Bevölkerung stabil, aber bereits geringe Kürzungen könnten an unerwarteter Stelle zu Protesten oder Gewalt führen. Vielleicht sollte man künftig nicht nur Panzer zählen, sondern auch Ermöglicher von Reis, Brot oder Mais… Wirklich eine simple Rechnung – und doch kommt sie selten auf.
Das UN World Food Programme und SIPRI sehen im Iran-Konflikt einen Katalysator globaler Ernährungsunsicherheit, vor allem wegen gestörter Energie- und Düngemittel-Logistik sowie steigender Preise für Grundnahrungsmittel, wie etwa Reis. Sie befürchten, dass diese wirtschaftlichen und logistischen Folgen die Produktion in vulnerablen Regionen weiter nach unten drücken und den Hunger verschärfen – und das selbst dann noch, wenn die Gewalt kurzfristig nachlässt. Die Autoren betonen, dass eine stabile, ausreichende Finanzierung der Hungerhilfe – sowohl von staatlicher als auch privater Seite – elementar für weltweite Stabilität ist. Interessanterweise wurde das Thema in den letzten Stunden auf mehreren Nachrichtenseiten weitergedreht: Die Debatte um Nachhaltigkeit und globale Ernährungssicherheit fand sich etwa auch in Stellungnahmen deutscher Politiker und internationaler Organisationen wieder. Dennoch sind laut UN-Schätzungen aktuell so viele Menschen von akutem Hunger bedroht wie seit Jahrzehnten nicht – auch durch Ukrainekrieg, Klimawandel und weitere regionale Konflikte. Die Forderung nach einer Aufstockung der Hilfsgelder steht damit im Zentrum einer großen globalen Diskussion über Prioritäten und Sicherheitspolitik.