Vatertag in Deutschland: Wenn Feiern gefährlich wird

Jedes Jahr zur Feier des Vatertags erreicht die Zahl alkoholbedingter Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen erschreckende Spitzenwerte. Was steckt dahinter – und was tut sich im europäischen Vergleich?

heute 14:44 Uhr | 3 mal gelesen

Irgendwie hat der Vatertag in Deutschland, der praktisch mit Christi Himmelfahrt zusammenfällt, eine düstere Aura: Eigentlich gedacht als harmloser Feiertag, wird er Jahr für Jahr zum Problemtermin für die Verkehrssicherheit. An keinem anderen Tag kracht es wegen Alkohol am Steuer häufiger – die Statistik ist eindeutig. Es erstaunt mich jedes Mal aufs Neue, wie fest diese Tradition, mit Bollerwagen und Bier loszuziehen, sich in manchen Regionen hält. Laut Daten des Statistischen Bundesamts explodiert die Zahl alkoholbedingter Unfälle: Statt der etwa hundert üblichen Fälle im Tagesdurchschnitt zählt man am Vatertag an die 300. Das ist, ehrlich gesagt, schon absurd viel für einen Tag, der eigentlich Freude machen soll. Die aktuelle Analyse von Motointegrator und DataPulse Research lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Trotz aller Präventionskampagnen bleibt der Vatertag das unangefochtene Hochrisiko-Ereignis im Kalender. Immerhin – beim Blick auf den Trend der letzten Dekade gibt’s Lichtblicke: Gab es 2011 noch 400 Verkehrstote mit Alkoholbeteiligung, waren es zuletzt nur noch 167 Fälle. Anders gesagt: ein Rückgang um gut die Hälfte. Was mich allerdings beschäftigt: Nicht nur bei uns gibt es solche Unfallschwerpunkte. In Frankreich ist Neujahr der böse Spitzenreiter, in Belgien verschieben sich die Risikospitzen rund um Weihnachten, und in Polen wird zur Zeit von Allerheiligen kräftig geschnappt – 850 alkoholisierte Fahrer innerhalb von vier Tagen sprechen eine deutliche Sprache. Offenbar sind Feiertage europaweit ein Problem, das nicht ganz trivial zu lösen ist. Die komplette Studie findet man übrigens im Blog von Motointegrator. Offen gestanden frage ich mich manchmal, ob es wirklich reicht, nur immer wieder mit Zahlen zu sensibilisieren. So ganz kriegt man das Thema wohl nie raus aus den Köpfen – jedenfalls nicht ausgerechnet an Tagen, an denen Tradition und Gruppendruck zusammentreffen.

Das Kernergebnis: Der Vatertag bleibt in Deutschland mit Abstand der Tag mit dem meisten Alkohol am Steuer und der höchsten Zahl damit verbundener Verkehrsunfälle. Während auf lange Sicht die Zahl der alkoholbedingten Verkehrstoten merklich rückläufig ist, trotzt gerade der Vatertag diesen Trends – wohl auch aufgrund gewachsener Traditionen. Interessant ist, dass vergleichbare Phänomene in ganz Europa beobachtbar sind: In Frankreich etwa fällt der Negativ-Peak auf Neujahr, in Polen auf Allerheiligen, in Belgien steigt die Quote um Weihnachten/Neujahr massiv an. Darüber hinaus zeigen aktuelle Berichte verschiedener deutscher und europäischer Nachrichtenmagazine, dass die Polizei ihre Präsenz an Risikofeiertagen weiter erhöht und technologische Neuerungen, wie Alkoholwegfahrsperren, in der Politik diskutiert werden. Zudem soll laut "Spiegel" und "FAZ" das Bewusstsein an jenen Tagen durch landesweite Kampagnen noch stärker geschärft werden, wobei die Wirkung einzelner Maßnahmen durchaus kritisch bewertet wird. Ein jüngst erschienener Bericht auf "taz.de" analysiert die soziale Komponente von Feiertagen und die Problematik von Gruppenzwang, während "Zeit.de" die Rolle von Wertekonflikten in ländlichen Regionen hervorhebt.

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