Klimasorgen auf dem Vormarsch – Umweltsorgen der 80er bleiben unerreicht

Die Angst der Menschen in Deutschland vor den Folgen des Klimawandels wächst kontinuierlich, erreicht aber noch nicht die Intensität der Umweltängste, wie sie in den 1980er-Jahren herrschten.

heute 14:59 Uhr | 4 mal gelesen

Die aktuellen Ergebnisse des Sozioökonomischen Panels (SOEP), das vom DIW Berlin ausgewertet wurde, erzählen recht deutlich einen Trend: Seit 2009 fragt die Studie systematisch nach den individuellen Sorgen bezüglich des Klimawandels – ein bemerkenswerter Zeitraum, weil er das wachsende Thema erstmals messbar macht. Interessant ist dabei, dass kleine Bewegungen auf der Skala, etwa 0,1 Punkte, bereits Hinweise auf gesellschaftliche Verschiebungen liefern, während ein Sprung um 0,5 Punkte als bedeutend gilt. Besonders auffällig ist ein Aufwärtstrend ab 2013; die Daten für 2022 weisen eine der höchsten Standardabweichungen bei den Klimasorgen seit Beginn der Befragung auf, für 2023 bleibt der Wert nur leicht darunter. Fast überraschend: Die Sorgen über Umweltfragen und Klimawandel laufen seit Jahren nahezu parallel – wohl kein Zufall. Was ins Auge sticht, ist die Generationenfrage: Junge Leute drücken eine größere Besorgnis über den Klimawandel aus, während ältere Generationen erst mit der Zeit ein stärkeres Klima-Bewusstsein entwickeln. Laut Franziska Holz vom DIW nehmen die Sorgen im Alter tendenziell sogar noch zu. Ein 70-Jähriger heutzutage sorgt sich mehr um das Klima, als er es als 60-Jähriger tat – und auch mehr als 70-Jährige es zehn Jahre zuvor taten. Das sagt eigentlich alles über den gesellschaftlichen Wandel. Hervorzuheben bleibt aber: So groß die aktuellen Klimasorgen auch sein mögen, sie reichen nicht an das explosives Angst-Niveau der späten 1980er heran, als Themen wie der Super-GAU von Tschernobyl, saurer Regen oder Smog das Klima der öffentlichen Debatten bestimmten. 1987 etwa lag die Abweichung für Umweltsorgen um mindestens 0,65 Punkte über dem Mittelwert, Tendenz steigend. Noch heute lassen sich diese Sprünge in den Daten klar erkennen. Übrigens: Die SOEP-Studie fragt jährlich rund 20.000 Haushalte und bietet damit einen ziemlich dichten Einblick in die Sorgen und Stimmungen im Land.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt anhand langjähriger Befragungen, dass die Sorge um das Klima in Deutschland stetig wächst, besonders bei jüngeren Menschen, aber auch über alle Generationen hinweg. Historisch betrachtet bleiben die heutigen Klimasorgen jedoch unter den Spitzenwerten der Umweltängste der 80er Jahre – etwa ausgelöst durch die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl – als Umweltthemen wie saurer Regen und Luftverschmutzung das öffentliche Bewusstsein dominierten. In den letzten Tagen wurde außerdem berichtet, dass verstärkte politische Debatten über Klimaschutz und Anpassung an Extremwetterlagen wieder neue Spitzen in den Sorgenwerten erzeugen, aktuelle Daten deuten auf eine fortdauernde Sensibilisierung der Bevölkerung hin.

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