Wenn Deutschlands IT-Spezialistinnen und -Spezialisten aus den Verwaltungen zusammentreffen, dann wird klar: Die Digitalisierung der Verwaltung ist kein Selbstläufer – da menschelt es, es knirscht und manchmal herrscht auch ordentlich Optimismus. Genau diese Atmosphäre herrschte auch Ende April im beschaulichen Göttingen auf der VITAKO-Mitgliederversammlung. Statt sich mit Floskeln zufrieden zu geben, wurde offen und durchaus auch kritisch diskutiert: Wie gestalten wir künftig die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen? Welche Rolle sollen IT-Dienstleister übernehmen, wenn das große Schlagwort 'Deutschland-Stack' fällt? Immer dabei: Der Wunsch nach digitaler Souveränität und Unabhängigkeit von einzelnen Softwareherstellern.
Erwähnenswert: Mit Telecomputer GmbH und dem kommunit IT-Zweckverband Schleswig-Holstein kamen zwei neue Akteure dazu – frischer Wind fürs Netzwerk. Der „Trendreport Digitaler Staat“, vorgestellt durch Matthias Canzler, unterstrich den enormen Wandel, dem die öffentliche IT ausgesetzt ist. Offenbar ist es nicht mehr genug, einfach nur Software einzuführen. Die Verwaltung muss sich selbst neu erfinden und gleichzeitig zusammenarbeiten, sogar über Landesgrenzen hinweg. Gar nicht so einfach in einem Land, in dem jeder manchmal sein eigenes Süppchen kocht.
Höhepunkt war ein Einblick von Anke Pörksen, die für Niedersachsen die Bedeutung des Deutschland-Stacks betonte. Kurz gesagt: Der Bund gibt die Richtung vor und man will gemeinsam Standards setzen – nicht zuletzt, damit Kommunen nicht digital abgehängt werden. Für die Beteiligten hieß das aber auch: Die Anforderungen an alle Beteiligten steigen, niemand kann sich mehr in Einzelkämpfer-Logik verstecken.
Abgerundet wurde das Ganze durch einen sehr praxisnahen Vortrag über digitale Souveränität. Dr. Laura Dornheim aus München erklärte, wie man Abhängigkeiten von IT-Anbietern offenlegt und minimiert, vorzugsweise durch Open Source. Gar nicht so leichter Stoff, aber notwendig, damit Deutschland auf Dauer bei der Digitalisierung die Zügel in der Hand behält. Oder wie Lars Hoppmann von VITAKO es zusammenfasste: Es geht nur gemeinsam. Wer da noch bremst, wird vom Wandel überrollt.
Die VITAKO-Mitgliederversammlung in Göttingen 2024 zeigte eindrücklich, dass ohne konstruktiven Streit, neue Allianzen und echte Mutmacherinnen sowie Macher die Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland nicht vorankommen wird. Schwerpunkte waren der Deutschland-Stack als Leitprojekt, die dringend benötigte interföderale Vernetzung sowie die Stärkung digitaler Souveränität – etwa durch den gezielten Einsatz von Open-Source-Lösungen. In aktuellen Medienberichten wird generell auf die schleppende, aber zunehmend dynamische Digitalisierung hingewiesen, wobei Bund und Länder versuchen, über zentrale Plattformen wie den Deutschland-Stack eine einheitliche Infrastruktur zu schaffen. Überraschend viele Kommunen investieren mittlerweile in eigene Pilotprojekte oder setzen auf Open Source, um Abhängigkeiten zu vermeiden und neuen gesetzlichen Vorgaben schneller zu entsprechen. Auch die Kooperation zwischen den föderalen Ebenen wird intensiver – nicht zuletzt, weil der gesellschaftliche und politische Druck wächst, Verwaltungsleistungen digital und bürgerfreundlich verfügbar zu machen. In den letzten Tagen berichten Medien unter anderem über die Fertigstellung neuer Schnittstellen im Stack, lebhafte Debatten über Datenstandards und die Skepsis einiger Datenschutzbeauftragter gegenüber zentralistischen IT-Lösungen.