Vom Überlebenswillen zum künstlerischen Triumph: Jiayi Zhangs Weg von China nach Österreich

Wien / Peking – Ein Leben voller Wendungen, Verluste und Erfolge: Von Großeltern, die ums Überleben kämpften, über Eltern, die gegen alle Widerstände Wohlstand schufen – bis hin zu Jiayi Zhang, die den Sprung in die künstlerische Freiheit wagte und gegen familiäre Erwartungen ihr Schaffen entfaltete. In Österreich verwandelte sich ihr Traum in preisgekrönte Realität. Der Stolz des Vaters? Heute, ja.

heute 10:56 Uhr | 4 mal gelesen

Drei Generationen, drei unterschiedliche Geschichten, doch eine Linie zieht sich durch: Durchhalten, neu anfangen, immer wieder Grenzen überwinden. Zhangs Großeltern schlugen sich in den Fünfzigern mit Baumrinde durchs Leben – Hungersnot, das klingt nach ferner Vergangenheit, doch es ist das Fundament der Familie. Ihre Eltern wuchsen daraus hervor, kämpften mit wenig Schulbildung – was für ein Kontrast! – und schafften es, sich als Unternehmer in Chinas Mittelstand zu sichern. Doch als Jiayi zur Welt kam, war sie, so ehrlich muss man es sagen, für die Familie zunächst nicht das Wunschkind: Eine Tochter – nicht die beste Voraussetzung in einer Gesellschaft, in der Söhne oft noch wichtiger wahrgenommen werden. Und dann ist da noch der Vater, der der Tochter von einer Künstlerkarriere abriet. "Kunst ist brotlos – taugt nichts für ein sicheres Leben!" So ungefähr. Aber was, wenn das Herz anders tickt? Was, wenn die Neugier auf Freiheit, auf Selbstausdruck größer ist als alle Bedenken? Österreich wurde für Jiayi ein Neuanfang, ein Möglichkeitsraum. Plötzlich war da Luft zum Atmen, Anerkennung, Weiterbildung und Unterstützung, die ihr in China fehlte. Plötzlich – besser gesagt: nach vielen Mühen – kamen Preise, zuerst verhalten, dann international. Ein gutes Gefühl, ein Stück Gerechtigkeit für vergangene Einschränkungen. Jiayi Zhang erzählt ihre persönlichen Wendungen im Buch "Entfaltung": Vom schwierigen Start als Tochter in einer konservativen Familie, von Identitätsbrüchen, Anpassungsdruck in der Fremde und der mühsamen, aber lohnenden Neudefinition zwischen Kulturen. Passend in eine Zeit, in der Integration, Vielfalt und der Mut zur Selbstbestimmung öffentlich diskutiert werden, liefert sie nicht nur eine Erfolgsbiografie, sondern auch eine Einladung zum Perspektivwechsel. Gerade das macht ihr Buch lesenswert. Apropos, noch etwas Persönliches: Als Zhang sagt, dass ihr Vater heute stolz auf sie ist, klingt da auch ein leiser Triumph mit – über Erwartungen, Vorurteile und die Vergangenheit hinweg. Schmuckdesign, das uralte Handwerkskunst, High-Tech-Materialien und modernes europäisches Flair zusammenbringt – das klingt erst mal nach wildem Mix, aber vielleicht ist es genau das, was kreative Durchbrüche ermöglicht. Die ganz eigene Mischung. Wer mehr wissen will: Buchhandel und diverse Online-Plattformen führen "Entfaltung". Für Lesungen und Gespräche steht die Autorin offen – scheint, sie ist nicht nur im Schmuck-Design wandelbar.

Jiayi Zhangs Werdegang steht für das menschliche Ringen nach individueller Entfaltung gegen kulturelle Erwartungen und Verbote. Geboren als Tochter in einer chinesischen Familie mit schweren Startbedingungen, hat sie sich einen künstlerischen Weg gebahnt, der erst abseits ihrer Herkunft, in Österreich, möglich wurde – mit Freiräumen, die sie zur preisgekrönten Schmuckdesignerin machten. In ihrer Autobiografie "Entfaltung" erzählt sie von Familiengeschichte, Selbstbehauptung und Kultur-Clash – Motive, die aktuell nicht nur im Feuilleton, sondern auch in gesellschaftspolitischen Debatten über Identität, Migration und Integration an Bedeutung gewinnen. Bei meinen Recherchen ist mir zusätzlich aufgefallen: Die aktuellen Diskussionen in Europa rund um Migration, Chancen(un)gleichheit und Diversität beschäftigen inzwischen auch zahlreiche junge Kreative mit Wurzeln außerhalb des Kontinents – und Österreich zeigt sich dabei oft als sonderbarer, aber nicht feindlicher Nährboden für diese Biografien. Das betonen auch einige der letzten Beiträge in der taz oder der Süddeutschen. Viele junge Leute beschreiben ähnliche Zwickmühlen zwischen Herkunft und neuer Heimat – und wie diese, mit etwas Glück und viel Arbeit, zu Innovationsvorteilen führen können. Kürzlich meldeten Nachrichtenportale zudem, dass österreichische Hochschulen zunehmen auf die Bedürfnisse hochqualifizierter Einwanderer und Künstler eingehen. Programme zur Förderung kultureller Vielfalt in der Wirtschaft rücken weiter ins Zentrum, damit individuelle Talente in einer schrill-bunten, globalisierten Welt nicht verloren gehen.

Schlagwort aus diesem Artikel