Wirtschaftsexperte rät zu Gelassenheit in Minijob-Diskussion

Ökonom Martin Werding warnt vor überzogenen Ängsten rund um das Ende der Minijobs – und plädiert für einen nüchternen Blick auf reale Folgen.

heute 15:01 Uhr | 5 mal gelesen

Inmitten des oft hitzigen Streits um Minijobs mahnt Martin Werding, Mitglied im Sachverständigenrat, zu mehr Sachlichkeit. Er sagte im Gespräch mit dem 'Handelsblatt', dass viele Sorgen zur Abschaffung der Minijobs übertrieben seien – Teilzeitstellen mit weniger Stunden würden schließlich weiter existieren. Auch finanziell sieht Werding keinen Grund zur Panik: Arbeitgeber zahlten bei Minijobs eine Pauschale von 31 Prozent, während bei regulären Teilzeitjobs etwa 42 Prozent Sozialabgaben fällig würden, die allerdings aufgeteilt sind. Kurioserweise könnten Arbeitgeber sogar zu günstigeren Bedingungen wegkommen – vorausgesetzt, sie erhöhen das Bruttogehalt ihrer Minijobber um rund zehn Prozent, um Verluste bei den Mitarbeitenden abzufedern. Für Beschäftigte hieße das: Wer mehr Netto will, müsse einfach eine Stunde zusätzlich arbeiten. Die bisherige Grenze, die eine Erhöhung der Arbeitszeit verhindert, wäre damit passé. Werding glaubt, dass durch diese Veränderung insgesamt mehr Arbeitszeit angeboten würde. Übrigens – die häufig gelobte Flexibilität von Minijobs sieht er skeptisch: Diese breche nämlich in dem Moment zusammen, wo das Einkommen die Minijob-Schallmauer übersteige.

Martin Werding, seines Zeichens Wirtschaftsweiser, hält die aktuellen Ängste rund um das mögliche Aus der Minijobs für übertrieben. Er verweist darauf, dass Geringverdiener auch weiterhin Mini-Teilzeitstellen finden und Arbeitgeber sie mit leichten Anpassungen weiter beschäftigen könnten, ohne große Mehrkosten. Die Reform könnte sogar dynamisierend wirken, weil mehr Beschäftigte ihre Stunden aufstocken – und so das Arbeitsvolumen insgesamt steigt. Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung hat die aktuelle Debatte außerdem die Rolle der Minijobs als Flexibilitätsreserve in der deutschen Wirtschaft ins Rampenlicht gerückt. Die Zeit geht hingegen darauf ein, dass insbesondere Frauen oft unfreiwillig im Minijob-Segment verharren, was bei einer Abschaffung durch mehr reguläre Stellenangebote ausgeglichen werden könnte. Die Wirtschaftswoche wiederum hebt hervor, dass eine Umstellung auf reguläre Beschäftigungsverhältnisse für viele Arbeitgeber eine Chance zur verbesserten Fachkräftegewinnung sein könnte.

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