Zwischen Automatisierung und Fachkräftelücke: Wie Deutschlands Industrie im Wandel kämpft

Frankfurt am Main – Die neuen, glänzenden Produktionsanlagen mit digitaler Steuerung, Robotik und künstlicher Intelligenz sind nichts ohne Menschen, die sie bedienen und weiterdenken können. Doch genau diese Leute werden knapp. Die aktuelle Manpower-Studie zeigt: Die Fertigungsindustrie gerät weltweit gleich doppelt unter Druck – es fehlen nicht nur Fachkräfte, sondern auch die nötigen Weiterbildungen für das bestehende Personal. 72 Prozent der Unternehmen finden kaum Qualifizierte, 60 Prozent der Beschäftigten hatten zuletzt keine Fortbildung, während fast die Hälfte fürchtet, dass bald schon Maschinen ihre Aufgaben übernehmen.

heute 09:32 Uhr | 3 mal gelesen

Die letzten Monate waren für die deutsche Industrie nicht gerade ein Spaziergang. Erstmals seit 2009, der Zeit der großen Krise, droht wieder ein echter Abwärtssog bei festangestellten Arbeitsverhältnissen. Belastungsfaktoren? Da gibt es gleich mehrere: Hohe Energiepreise, eine wackelige Rohstoffversorgung, geopolitische Unsicherheiten und der Strukturwandel in Schlüsselbereichen wie Autoindustrie, Maschinenbau und Chemie stellen Personalverantwortliche vor diffizile Aufgaben.

Transformation gelingt nicht per Knopfdruck

„Es reicht nicht, einfach nur neue Technik einzuführen“, stellt Faris Becirovic, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland, nüchtern fest. „Die Industrie verliert gerade nicht bloß Stellen, sondern vor allem entscheidende Jahre. Ursache ist, dass systematische Qualifizierung zu oft auf der Strecke bleibt.“ Tatsächlich laufen Automatisierung und KI längst – nicht morgen, sondern heute verändern sie Arbeitsinhalte: Routinetätigkeiten verschwinden, der Bedarf an Know-how für digitale Prozesse wächst. 93 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass sich ihr Personal wandeln wird – doch nur etwa die Hälfte plant Umschulungen, andere wollen externe Experten holen oder Aufgaben ganz auslagern.

Viele Arbeiterinnen und Arbeiter zeigen durchaus Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Zwei von drei sagen, sie sind fit im Umgang mit aktueller Technik. Noch mehr sind sich sicher, neue Fähigkeiten erwerben zu können. Dennoch: Ohne strategische Weiterbildungsangebote bleiben viele Potenziale liegen – und im Aufschwung fehlen plötzlich die Menschen, die den Betriebsneustart stemmen könnten.

Das große Unter-die-Lupe-Nehmen der Manpower-Analyse: Automatisierung ersetzt keine Fachkräfte, wenn das Wissen nicht mitwandert. Wer jetzt bei Technik aufrüstet, sollte die Belegschaft fest im Blick haben. Ansonsten droht, dass gerade in Deutschland der industrielle Wandel am Talentmangel scheitert. Fazit: Fortschritt gibt es nicht ohne Menschen, die ihn gestalten.

Wer tiefer in die Studie einsteigen mag, findet Details und Kontaktmöglichkeiten im offiziellen Report der ManpowerGroup.

Die Manpower-Studie belegt, dass sich Deutschlands Industrie weit mehr als nur einem Fachkräftemangel gegenübersieht: Der technologische Wandel verlangt nach gänzlich neuen Fähigkeiten, doch die Weiterbildung kommt vielerorts zu kurz. Die Kombination aus Personalknappheit, fehlender Qualifizierung und der Sorge vor einem zu schnellen Zurückdrängen von Arbeitsplätzen durch Automatisierung droht, den zukünftigen Aufschwung auszubremsen. Experten fordern gezielte Pläne, wie Beschäftigte entlang aller Wertschöpfungsstufen mitgenommen und ausgebildet werden können. – Zusätzliche Recherche zeigt, dass in aktuellen Branchenumfragen viele Unternehmen Weiterbildungen in Sachen Digitalisierung ausweiten wollen, allerdings teils an finanziellen oder organisatorischen Hürden scheitern. Gleichzeitig werden, etwa laut der Zeit und FAZ, Programme zur Gewinnung von neuen Fachkräften aus Drittstaaten zwar diskutiert, aber die Umsetzung stockt wegen bürokratischer Hemmnisse, Sprachhürden und mangelndem Zugang zu Fortbildungen. Industrieverbände mahnen einen Mentalitätswechsel an: Weiterbildung und lebenslanges Lernen sollten zur Selbstverständlichkeit werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern.

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