Manchmal fragt man sich, ob wir im Westen uns eigentlich noch an den Moment erinnern können, als alles einfach billiger wurde. Plötzlich kamen Batterien, Fernseher, irgendwann auch Handys und HighTech aus Fernost – und niemand hat sich groß drum geschert, wie das im Detail funktionierte. Hatten wir so viel Vertrauen in unsere Brillanz oder nur einen schwachen Sinn für eigenen Erfindungsgeist?
Die Wirtschaftsbosse standen da, lobten ihre Shareholder und taten sich schwer mit Weitblick. Sie ließen sämtliche Blaupausen rüberwandern. Natürlich nicht ohne Vertrag, denn Papier ist ja geduldig. Die Chinesen? Die bauten nach und überholten – und diese Tatsache fühlen wir erst jetzt so richtig im Mark. Wer hätte gedacht, dass Fleiß und Neugier mehr bringen als billiger Lohn und westlicher Hochmut? Doch es geht längst nicht mehr um Autos und Bekleidung, sondern um alles von Künstlicher Intelligenz bis zu Luxusuhren.
Vielleicht war unser größter Fehler, dass wir dachten, mit Importen auch das Monopol auf Innovation zu importieren. Besonders absurd finde ich die Überraschung, wenn deutsche Ingenieure in Peking auf der Messe stehen und ernsthaft erstaunt sind, wie elegant und preiswert deren Neuentwicklungen wirken. Mal ehrlich: Wer anderen dauerhaft bloß die Schrauben anziehen lässt, wundert sich irgendwann zu Recht, wenn diese irgendwann die eigenen Ideen verbessern.
Von Shein bis iPhone: Wer einmal einen Blick aufs Etikett wagt, sieht das Versagen schwarz auf weiß. Was bleibt ist ein Kater nach Jahren des Einkauf-Rauschs und man kann sich kaum noch herausreden. Passiert übrigens nicht zum ersten Mal – Stichwort Japan, 1950er. Wieder wird so getan, als käme alles völlig überraschend. Ehrlich gesagt: Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen.
Die Geschichte der wirtschaftlichen Kooperation (oder Abhängigkeit?) des Westens mit China hat viele Schichten. Über Jahrzehnte wurden Know-how und Produktionen problemlos ausgelagert – westliche Manager und Konzerne setzten auf kurzfristigen Gewinn statt auf nachhaltige Innovationskraft im eigenen Land. In aktuellen Diskussionen (z. B. auf taz und spiegel.de) wird immer deutlicher, dass die einst als technologisch „zurückgeblieben“ belächelte Werkbank China inzwischen Innovationsführer in Branchen wie E-Mobilität, Robotik und Künstlicher Intelligenz ist. Das Know-how wurde nicht gestohlen, sondern geliefert, vertraglich – und mit naiver Hoffnung auf ewige Vormachtstellung. Der Westen hat es wieder und wieder versäumt, von den Erfahrungen aus Japan zu lernen: Auch dort wurde zunächst kopiert, dann verbessert und schließlich dominiert. Heutige Marktbewegungen, etwa der rasche Aufstieg von BYD, Xiaomi oder Huawei, belegen: Aus der Werkbank ist ein Konkurrent auf Augenhöhe (und oft darüber hinaus) geworden. Zugleich gibt es neue geopolitische Spannungen, da Europa und die USA nun versuchen, eine technologische Rückständigkeit abzuwenden, während sie gleichzeitig von der eigenen Abhängigkeit gegenüber China getroffen werden.
Weitere Aspekte sind in Medien wie der ZEIT und dem Spiegel diskutiert worden: Der technologische Wettlauf, der sich von der Mikrochip-Industrie bis hin zu nachhaltiger Energie erstreckt, verläuft nicht mehr automatisch zugunsten des Westens. Fragen nach Fairness, Sicherheit und Nachhaltigkeit gewinnen dabei ebenso an Bedeutung wie die dringend notwendige politisch-wirtschaftliche Weitsicht.