Manchmal passieren im Fußball die Dinge anders, als es die Drehbuchschreiber vorher ausmalen. Schalke 04 dürfte sich den Pokalabend in Halle vermutlich entspannter vorgestellt haben – stattdessen schlitterte der Klub durch ein Wechselbad der Gefühle. Erst ließ man die Hallenser zu viel schnaufen, dann kassierte man prompt vor der Halbzeit das 0:1 durch Vin Kastull. In solchen Momenten riecht alles nach Pokalsensation – sandige Plätze, Flutlicht, ein Hauch von David gegen Goliath. Nach dem Wechsel rappelte sich Schalke mit Ljubicics Treffer etwas auf, ein Abstauber, nicht schön, aber wichtig. Kurze Zeit später zeigte Dzeko vom Elfmeterpunkt seine Erfahrung – 2:1. Doch statt Sicherheit kehrte Unsicherheit ein: Halle nutzte seine Chance in der Nachspielzeit und schickte das Ganze in die Verlängerung. Dort entschied erst Sylla die Partie, Adamu machte fast alles klar. Halle – längst durch eine Verletzung von Kastull dezimiert – hatte nichts mehr zuzusetzen, Dzeko setzte schließlich den Schlusspunkt zum 5:2. Am Ende stand kein souveräner Sieg, sondern ein Schalker Kraftakt auf dem Weg in Runde zwei. Solche Spiele, so anstrengend sie sein mögen, sind oft der Charaktertest, den man nicht sucht und trotzdem dringend braucht.
Ungeplant schwer tat sich Schalke gegen einen tapferen Halleschen FC, der mit viel Mut und Spielfreude beinahe für eine kleine Sensation sorgte. Besonders auffällig war die mangelnde Abgeklärtheit in der Defensive der Schalker, aber sie retteten sich durch individuelle Qualität in die nächste Pokalrunde. Die Expertenmeinungen schwanken: Während einige den Schalkern Durchhaltevermögen bescheinigen und daran erinnern, dass der Pokal seine ganz eigenen, unberechenbaren Regeln hat, sehen andere offene Baustellen im Team. In der öffentlichen Wahrnehmung rückt der DFB-Pokal dank der engen Spiele und Favoritenstürze verstärkt ins Rampenlicht – zuletzt z.B. beim Coup von Essen gegen Köln oder dem viel diskutierten Auftritt von Dortmund. Viele Medien stellen heraus, dass es in diesem Wettbewerb keine sicheren Tipps gibt und auch in Sachen Zuschauerinteresse und Atmosphäre ein deutlicher Aufbruch zu spüren ist. Außerdem: Mit Blick auf die nächsten Runden dürften Favoriten noch wachsamer auftreten müssen, denn bisher wurden in mehreren Partien Schwächen der großen Vereine gnadenlos aufgedeckt.