Eigentlich hätte AÏDA am Flughafen München nur ein paar Monate bleiben sollen – als klassisches Pop-up. Ein Überbrückungskonzept, das schnell weichen sollte für die nächste trendy Idee. Doch wo Wiener Kaffeehausduft auf bayrische Reiseluft trifft, passiert offenbar etwas Magisches: Schon zum vierten Mal hintereinander sagt man Ja zur Verlängerung. Andreas Reichert von Allresto klingt zufrieden, wenn er berichtet, dass „das Konzept einfach weiterhin zieht“. Viele Reisende, wenig Schlaf, viel Kaffee – das passt offensichtlich, auch jenseits der Schönbrunner Gloriette.
Warum das so gut funktioniert? Dominik Prousek aus der AÏDA-Familie bringt es auf den Punkt: Ein Pop-up lebt vom Moment – aber echtes Handwerk, Nostalgie und ein bisschen Süßspeisensehnsucht lassen sich nicht einsperren auf ein paar Wochen. 120.000 Kaffeespezialitäten im Jahr sprechen da eine eigene Sprache. 40.600 Mal Cappuccino, 13.000 Kipferl, 11.000 Zimtschnecken: Zahlen, die Bauch und Herz ansprechen. Und dabei ist Fastfood hier wirklich kein Schimpfwort, wenn die Schnitzelbrötchen und Laugenecken ebenfalls weggehen wie die warmen Semmeln.
Sogar international hat das Ganze Wellen geschlagen. „Best To-Go Concept Worldwide“ – das sagt kein kleiner Blogger, sondern die FAB Awards. Markenzeichen: Kaffeebohne und Zuckerguss vereinen sich zu einer Trophäe.
Ich gebe zu, ich hätte nicht gedacht, dass sich Wiener Kaffeehausnostalgie so glatt durch die deutsche Flughafenkälte schlägt. Aber offenbar braucht man manchmal mehr als nur Gratis-WLAN: Es geht um Heimat, um kleine Rituale zwischen Sicherheitskontrolle und Gate. Da, wo alles stressig ist, bietet AÏDA ein bisschen Geborgenheit in Form von Apfelstrudel. Die Erfolgsgeschichte ist längst nicht zu Ende – vielleicht liegt der Reiz gerade darin, dass niemand erwartet hatte, dass das Pop-up einfach bleibt.
AÏDA hat mit seinem Münchener Flughafen-Standort bewiesen, wie stark regionale Gastronomie auch im internationalen Umfeld funktionieren kann. Der kontinuierliche wirtschaftliche Erfolg, gemessen an den Verkaufszahlen von Kaffee und Gebäck, ist beachtlich und spiegelt die Sehnsucht nach etwas Bekanntem, Qualitätsvollem auf Reisen wider. Bemerkenswert ist, dass mit der wiederholten Verlängerung nicht nur das Vertrauen von Partner Allresto bestätigt wird, sondern auch der internationale Preis (FAB Award) den Stellenwert des Konzepts unterstreicht. Laut aktuellen Medienberichten erleben Flughäfen europaweit einen Wandel weg vom bloßen Gastronomieangebot hin zu Orten, an denen Marken eine eigene Erlebniswelt schaffen (Spiegel, FAZ, taz). Außerdem berichtet die Süddeutsche, dass Flughäfen gerade nach der Pandemie verstärkt auf lokale Marken als Zugpferde setzen, was AÏDA zu einem Paradebeispiel macht. Außerdem gibt es einen anhaltenden Trend zur Rückbesinnung auf Handwerk, Authentizität und Services, die das Reisen persönlicher machen.