Biotech-Gesetz der EU: LSAA fordert mutige Rahmenbedingungen für Innovation und fairen Zugang

München – Der Verein Life Sciences Acceleration Alliance (LSAA) beobachtet die Entwicklung des EU Biotech Acts seit Beginn aufmerksam und sieht der bevorstehenden Präsentation im Europäischen Parlament im Dezember 2025 mit Hoffnung entgegen. Die LSAA verknüpft Akteure aus ganz Europa und fordert, dass der neue Rechtsrahmen nicht bloß Hürden abbaut, sondern echten, nachhaltigen Rückenwind für Innovationen im biowissenschaftlichen Sektor gibt.

heute 13:34 Uhr | 24 mal gelesen

„Für Europa ist jetzt ein entscheidender Moment“, meint Rainer Westermann, der Vorsitzende der LSAA. „Mit dem Biotech Act kommt eine Gelegenheit, die Weichen richtig zu stellen – aber nur, wenn wir Finanzierungslücken entschlossen schließen, besonders da, wo junge Firmen zwischen Forschung und Markteintritt festhängen. Zudem darf geistiges Eigentum nicht weiter ausgehöhlt werden – Patentschutz und exklusive Nutzungsrechte sind die Basis für Forschung am Limit, gerade in Risikofeldern. Ein ausgewogenes System, das Innovation belohnt, Patientinnen und Patienten aber den Zugang sichert, ist zwingend.“ Im internationalen Vergleich tut sich Europa nach wie vor schwer mit Risikokapital, schnellen Genehmigungen und verlässlicher Planung – hier sieht die LSAA großen Nachholbedarf. Westermann mahnt: „Nur mit einem klugen Mix aus Vereinfachung, Infrastruktur und Investitionsanreizen bleibt Europa konkurrenzfähig gegenüber USA und China.“ Weiter fordert die LSAA konkret, Patente und Daten nicht nur konsequent zu schützen, sondern auch dafür zu sorgen, dass insbesondere bei seltenen oder schwer behandelbaren Krankheiten Anreize geschaffen werden. „Transparenz, faire Preise und Versorgung dürfen hier kein Gegensatz zu Innovationskraft sein.“ Ein anderes Thema, das im Stillen brodelt: Die Sicherung Europäischer Produktion und Qualifikation, damit die Wertschöpfung nicht weiter abwandert. Nur mit gezielten Programmen zu Produktion, Hochskalierung und Know-how bleibt Europa im Rennen – so der Verband. Der Appell an die EU-Organe ist deutlich: „Jetzt oder nie. Eine ambitionierte Gesetzgebung kann Europas Rückstand drehen. Verpassen wir das, werden bahnbrechende Therapien anderswo Realität.“ Die LSAA, 2021 gegründet, versteht sich als Brücke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – mit dem Ziel, Europas Standort in den Life Sciences zukunftsfähig und stark zu machen.

Die Position der LSAA zum geplanten EU Biotech Act spiegelt die Sorge wider, dass Europa im Innovationswettlauf hinter die USA und China zurückfallen könnte, wenn regulatorische und finanzielle Hürden nicht konsequent adressiert werden. Nach jüngsten Recherchen berichten taz und FAZ, dass sowohl Investoren als auch Start-ups die schleppende Zulassung neuer Biotech-Produkte, zu kurze Patentlaufzeiten sowie fehlende staatliche Förderung als Innovationsbremse betrachten. Dabei wird zunehmend kritisiert, dass viele Forschungsergebnisse zwar europaweit entstehen, die wirtschaftliche Verwertung sowie die Produktionsstandorte jedoch häufig ins Ausland abwandern. Zeitgleich diskutiert das Europäische Parlament seit Anfang Juni neueste Vorschläge zur Stärkung des geistigen Eigentums und innovativer Therapien, wobei ein Spagat zwischen öffentlichem Nutzen und Renditeinteressen sichtbar wird. Die Brisanz wächst auch in Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel, wie auf Tagungen der BioTech-Branche in Berlin betont wurde – der Aufbau stabiler, europäischer Wertschöpfungsketten wird daher als zentrale Aufgabe der nächsten Jahre gesehen.

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