Berufseinstieg unter Druck: Wie KI und Fachkräftemangel den Arbeitsmarkt verändern

Wer frisch ins Berufsleben startet, sieht sich steigenden Herausforderungen gegenüber: Viele Unternehmen halten zwar an ihren Anfängerstellen fest, aber Automatisierung und knappe Ressourcen sägen spürbar an den Einstiegsoptionen. Vor allem im Schatten der Digitalisierung dreht sich der Wind auf dem Arbeitsmarkt – das belegt die neue Randstad-ifo-Personalerbefragung.

heute 10:24 Uhr | 2 mal gelesen

Mal ehrlich: Wer sich heute als Berufseinsteiger:in bewirbt, wird immer häufiger zwischen den Stühlen platziert. Die jüngsten Ergebnisse der Randstad-ifo-HR-Umfrage (Q4/2025) legen offen, wie Unternehmen ticken: Zwar bleibt bei der Mehrzahl der Firmen die Zahl der Startpositionen konstant, aber knapp ein Fünftel plant einen Kahlschlag bei den Berufseinstiegsjobs. Der Hauptgrund? Schlichter Sparwille – weniger Stellen werden allgemein gebraucht (51 %), Automatisierung durch KI & Co. ist bei 38 % der befragten Unternehmen mit Schuld. Dabei setzen 25 % mittlerweile lieber auf erfahrene Bewerber:innen und geben an, dass die Arbeitsprofile für Einsteiger:innen oft zu hoch gehängt werden. Manchmal fehlt sogar schlicht das Personal, das Neue einarbeiten könnte (15 %). Interessant ist der Blick auf die Zukunft: Fast jedes zehnte Unternehmen setzt bereits jetzt Künstliche Intelligenz zur Erledigung von Rookie-Aufgaben ein. Aber das ist erst der Anfang: In drei Jahren glauben 40 %, dass KI noch mehr klassische Junior-Tätigkeiten übernimmt. Große Unternehmen trumpfen da massiver auf als die kleinen. Das, was einem manchmal zwischen den Fingern zerrinnt, ist nicht nur ein Job – sondern auch Entwicklung; denn wenn Anlernstellen verschwinden, droht irgendwann Flaute auf der Fachkräfteseite. Personalexpertin Verena Menne von Randstad drückt es treffend aus: Wer zu wenig in Nachwuchs investiert, gräbt die eigenen Wurzeln ab. Neben dem Arbeitsbedarf und technologischen Sprüngen tauchen neue Bremsklötze auf: 33 % der Unternehmen sagen ganz offen, dass ihre Jobprofile die Anforderungen für Einsteiger:innen klar überschreiten. Das kann man auch als Überforderung im Bewerbungsprozess deuten – hohe Anforderungen, wenig Anleitung, Frust bei allen Beteiligten. Eigentlich verrückt, denn ohne gescheite Einarbeitung bleibt die nächste Generation auf der Strecke und die Firmen schauen künftig dumm aus der Wäsche. Ein Dilemma, das man spätestens dann bereut, wenn Führungsrollen plötzlich verwaisen. Die Randstad-ifo-Studie beruht übrigens auf Befragungen von rund 500 bis 1000 Personalverantwortlichen diverser deutscher Firmen. Und Randstad selbst? Könnte man fast als Platzhirsch der Branche bezeichnen: Seit über 55 Jahren vermittelt die Firma Fachkräfte, mischt in 39 Ländern mit mehr als 1,7 Millionen platzierten Menschen jährlich kräftig mit – allein in Deutschland mit über 32.000 Beschäftigten. Aber das schmeckt schon fast nach Hochglanzbroschüre – was bleibt, ist die Erkenntnis: Wer an Berufseinstiegen spart und auf Tech statt Talente setzt, wird künftig einiges zu erklären haben.

Der Stellenwert von Einstiegsjobs ist aktuell durch KI und allgemeinen Personalmangel stark unter Druck geraten. Die Randstad-ifo-HR-Befragung im vierten Quartal 2025 zeigt eine deutliche Tendenz: Während die Mehrheit der Firmen weiterhin Berufseinsteiger:innen einstellt, rechnet etwa ein Fünftel mit laufendem Abbau solcher Stellen, vornehmlich getrieben durch reduzierten Bedarf, Automatisierung und zu komplexe Stellenprofile. Experten wie Verena Menne mahnen ein Umdenken an: Unternehmen müssen in nachhaltige Nachwuchskräfteförderung und realistische Erwartungen an Einsteiger investieren, um langfristige Fachkräftelücken zu verhindern. Neuere Berichte deuten außerdem darauf hin, dass insbesondere große Unternehmen die Automatisierung weiterhin stark ausbauen, während kleinere Betriebe oft an niedrigen Bewerbungszahlen und fehlenden Einarbeitungskapazitäten scheitern. Die Integration von KI bleibt also ein zweischneidiges Schwert, das Innovation und Unsicherheit zugleich bringt. Auch die Gesellschaft diskutiert inzwischen lauter über die Folgen – von steigender Jugendarbeitslosigkeit bis zu Innovationsdruck auf Bildungssystem und kleine Unternehmen. Während in den Medien aktuelle Beiträge zur Zukunft der Arbeit und dem Wandel durch KI erscheinen, bleibt offen, wie schnell Politik und Wirtschaft tragfähige Lösungen nachreichen.

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