Ganzheitliche Betreuung im Spitzensport: Osteopathie zwischen Kraftprobe und Körpergefühl

Die Olympischen Winterspiele eröffnen ein Schaufenster in die Welt extremer körperlicher Leistungen. Hightech-Medizin steht bereit – und die Osteopathie behauptet ihren Platz im Werkzeugkasten der Profisportler. Ein persönlicher Einblick in das geänderte Selbstverständnis von Gesundheit an den Grenzen des Machbaren.

heute 11:05 Uhr | 3 mal gelesen

Martin Auracher sagt, wer einmal einen Eiskanal von innen gesehen hat, weiß: Der Körper kann Dinge einstecken, von denen normale Bürostuhlgeplagte nur träumen. Seit Jahren trifft der Osteopath – selbst kein Freund des Stillhaltens – auf Athletinnen und Athleten, die kaum noch aufhören, rekordverdächtig zu sein. Dass Spitzensportler heute teils bis ins späte Erwachsenenalter aktiv bleiben und dabei nicht wenige Wehwehchen sammeln, ist kein Geheimnis. Viel interessanter ist vielleicht, wie Sportmedizin darauf reagiert: weg von der Fixierung auf einzelne Wehwehchen, hin zum Zusammenspiel der unsichtbaren Systeme. Faszien, Organe, Nervenströme – alles zählt.

Neue Herausforderungen – andere Lösungen?
Die Belastungen steigen, die Sturzgefahr bleibt, und Durchhaltevermögen scheint fast wichtiger, als der perfekte Lauf. Wintersport ist für Osteopathen eine Spielwiese komplizierter Fälle: Erfundene Grenzen, sagt Auracher, lösen sich auf, sobald man sich traut, das Gesamtbild zu betrachten. Immer seltener geht es nur um Muskeln oder Knochen – vielmehr geraten feine Abstimmungsprobleme, subtile Fehler in der Steuerzentrale (dem Gehirn!) in den Fokus.

Vom Knie bis zum Kopf: Unerwartete Verbindungen
Wer hätte gedacht, dass ein verdrehtes Knie nicht nur schmerzt, sondern möglicherweise auch Denkprozesse bremst? Das ist keine Pseudowissenschaft, sondern ein Hinweis darauf, wie menschliches Funktionieren wirklich tickt: Feedback-Loops, manchmal so leise wie ein hohlender Windzug über ein Biathlonfeld. Die Behandlung? Kein Schraubenschlüssel, sondern ein Set aus gefühlt orchestrierten Handgriffen, die Auracher aus Erfahrung passgenau auswählt.

Gehirn-Körper-Dialog
Was im Sport als "Brain-Body-Connection" durchgeht, klingt im Alltag sperrig, ist aber das Salz in der Suppe. Mentale Stärke, Koordination, Sensibilität: Alles hängt an winzigen Stellschrauben, und manchmal ist es eben nicht allein der Bizeps, der den letzten Zehntel-Sekundenunterschied macht. Faszinierend ist, wie diese osteopathische Herangehensweise in etwas resultiert, das schwer zu messen und noch schwerer zu trainieren ist: ein Gefühl für sich selbst.

Kompetenz im Wandel
Osteopathie bleibt eine Kunst, die sich aktuellen Trends in der Medizin nicht verschließt. Die Spezialisierung nimmt zu, doch ohne das große Ganze – kein nachhaltiger Erfolg. So, sagt Auracher, bleibt die Tür offen für neue Ansätze zwischen Hightech und Handarbeit. Am Ende wünscht der Verband den Olympia-Teilnehmern vor allem: nichts als Gesundheit und den Mut, auch mal zwischen Wettkampfrummel und Druck innezuhalten.

Was steckt eigentlich hinter Osteopathie?
Mit den Händen "sehen" – so formuliert es das Selbstverständnis jener, die diesen Beruf ausüben. Osteopathie ist weder Zauberei noch Allheilmittel, aber ein wirksames Zusatzangebot unter den ganzheitlichen Gesundheitsmethoden. Die Anerkennung wächst; mittlerweile übernehmen zahlreiche Kassen zumindest anteilig die Kosten. Dass ein Bundesverband wie der VOD für Standardisierung kämpft, zeigt: Der Weg Richtung Professionalität ist längst eingeschlagen.

Osteopathie etabliert sich immer stärker im Hochleistungssport, besonders angesichts der verlängerten Karrieren vieler Athleten und den damit verbundenen Belastungen. Der ganzheitliche Ansatz, der Körper, Geist und komplexe physiologische Prozesse einbezieht, wird für die Regeneration und nachhaltige Leistungsfähigkeit zunehmend unverzichtbar; neuere Studien zeigen sogar Zusammenhänge zwischen Verletzungen und zentralnervösen Prozessen. Während sich in Deutschland Diskussionen um klare gesetzliche Rahmenbedingungen für den Beruf und die Integration in bestehende medizinische Versorgungskonzepte weiterentwickeln, steigt auch weltweit die Akzeptanz und Förderbereitschaft, beispielsweise übernehmen die meisten gesetzlichen Krankenkassen mittlerweile einen Teil der Kosten osteopathischer Behandlungen. Aktuell, im Kontext der beginnenden Olympischen Winterspiele, diskutiert die Fachpresse die Bedeutung interdisziplinärer Gesundheitsteams, darunter auch Osteopathen, für langfristigen sportlichen Erfolg und zur Prävention komplexer Verletzungsmuster.

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