Es folgte eine Verlängerung, die sich zog wie Kaugummi, wenn auch nicht ohne Chancen. Niemand wollte das letzte Tor kassieren, jeder wartete auf den Fehler des anderen – es blieb beim 1:1, und die Nerven lagen blank. Elfmeterschießen: Während Saarbrückens Kapitän Pick und Brünker an Hertha-Keeper Gersbeck scheiterten, verwandelten die Berliner eiskalt. 4:2 am Ende.
Im Parallelspiel zwischen Viktoria Köln und dem 1. FC Nürnberg das gleiche Bild – wenngleich mit anderen Protagonisten. Nürnberg geht durch Scobel nach Pause in Führung, Köln kontert spät durch Sponsel. In der Verlängerung dann ein zäher Kampf ohne Tore – Kräfte schienen aufgebraucht. Im Elfmeterschießen leisteten sich die Kölner gleich drei Fehlschüsse, Nürnberg kam mit zwei Patzern davon und jubelte am Ende über das Ticket für die nächste Runde.
Der Pokal lebt von seinen Überraschungen, und tatsächlich mussten sich in beiden beschriebenen Begegnungen die Favoriten mächtig strecken. Hertha BSC entschied die Partie vor allem dank seines Torhüters Marius Gersbeck für sich, der im Elfmeterschießen mit zwei Paraden glänzte. Nürnberg dagegen profitierte von den Nerven der Viktoria-Schützen. Kurios: Die unerbittliche Dramatik der Partien zeigt einmal mehr, warum der DFB-Pokal ein Wettbewerb für Helden und tragische Verlierer ist. Laut weiteren Medienberichten war die Atmosphäre in Berlin gespannt bis ausgelassen – Hertha kann sich aber nicht auf der Leistung ausruhen, denn die Defensive offenbarte vor allem bei Standards Schwächen, und auch die Chancenverwertung bleibt ein Kritikpunkt. Beeindruckend bleibt, wie souverän die Elfmeter von so manchen jungen Spielern verwandelt wurden, ein Fingerzeig für kommende Talente. Zugleich wurde im Falle von Nürnberg im Nachgang diskutiert, wie dünn die Personaldecke der Mannschaft außerhalb der ersten Elf tatsächlich ist, nachdem in der regulären Spielzeit gegen einen unterklassigen Gegner kaum Durchschlagskraft entstand.