Am Montagmorgen mussten die Botschafter und teils Geschäftsträger aus mehreren europäischen Ländern im iranischen Außenministerium erscheinen. Hintergrund ist der Vorwurf, dass diese Staaten den landesweiten Protesten öffentlich Rückendeckung verliehen hätten – ein Punkt, auf den iranische Behörden besonders empfindlich reagieren. Ursprünglich waren die Demonstrationen, die vor etwa zwei Wochen begannen, aus wirtschaftlichen Sorgen heraus entstanden, doch rasch entwickelte sich daraus eine breite Protestbewegung gegen die politische Führung. Laut Iran Human Rights sind dabei bislang mindestens 192 Menschen ums Leben gekommen – wobei viele Beobachter vermuten, dass die tatsächlichen Opferzahlen nochmals deutlich höher liegen könnten. Das Thema erhitzt die Gemüter nicht nur vor Ort, sondern sorgt auch auf der internationalen Bühne für zunehmende Unruhe. Interessanterweise wirkt allein die Tatsache, dass europäische Länder – zumindest verbal – Position beziehen, wie ein Brandbeschleuniger im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen Iran und dem Westen. Großes Vertrauen scheint auf beiden Seiten derzeit Mangelware zu sein.
Der Iran reagiert zunehmend gereizt auf internationale Äußerungen zu den fortdauernden Protesten im Land und hat deshalb wichtige europäische Diplomaten einbestellt. Die Eskalation der Demonstrationen, ausgelöst durch wirtschaftliche Not, hat sich inzwischen zu einem landesweiten Protest gegen das Regime ausgeweitet. Menschenrechtsorganisationen befürchten eine wesentlich höhere Zahl an Toten als offiziell bestätigt, während die diplomatischen Beziehungen durch den Vorwurf der Einmischung weiter belastet werden. Inzwischen werden auch Berichte über landesweite Internetsperren und das härtere Vorgehen der Sicherheitskräfte laut. Die Reaktionen der europäischen Regierungen fallen unterschiedlich aus, reichen aber von scharfer Kritik bis zu diplomatischer Zurückhaltung. Laut FAZ und Spiegel laufen hinter den Kulissen Diskussionen um weitere Sanktionen gegen den Iran, während Menschenrechtsgruppen auf eine konsequentere Unterstützung der Protestbewegung pochen.