Ebola im Ostkongo: Engpässe und Gefahren für Helfer verschärfen Krise

Christian Katzer von Ärzte ohne Grenzen berichtet von beispiellosen Herausforderungen beim Kampf gegen Ebola in der Krisenregion Kongo. Finanzielle Engpässe, Misstrauen und schlechte Versorgung verschärfen die Lage.

heute 16:45 Uhr | 5 mal gelesen

Wer dieser Tage auf die Gesundheitssituation im Osten des Kongo blickt, sieht sich mit einer Gemengelage konfrontiert, die an Hoffnung kaum Raum lässt. Der Dauerkriegszustand frisst die staatlichen Strukturen praktisch auf – man könnte fast sagen, dass das eigentliche System nicht mehr ist als ein lockeres Patchwork aus Nothilfen und improvisierten Kliniken. Dazu kommt, wie Christian Katzer nicht ohne Bitterkeit im Gespräch mit der ARD betont, dass internationale Geldströme versiegen. Wenn Hilfsgelder schlagartig einbrechen, bleibt oft nur noch Improvisation. Die aktuelle Epidemie wird durch das Bundibugyo-Virus ausgelöst – eine Variante, bei der die Wissenschaft offenbar noch hinterherhinkt: Keine zugelassenen Impfstoffe, unzuverlässige Diagnosen, Symptome, die jeder Grippe zur Verwechslung ähnlich sehen. Und das alles in Regionen, in denen das Gesundheitssystem sowieso ächzt, ausgedünnt ist, fast schon in einem Dornröschenschlaf. Stellen Sie sich vor: Über Wochen sterben Hunderte, vielleicht Tausende unbemerkt. Nicht nur Armut und schlechte Versorgung verhindern Hilfe. Viele Menschen misstrauen den Gesundheitseinrichtungen, weil nicht selten Gebühren anfallen und dazu die ohnehin erschütternde Sterblichkeitsrate in Krankenhäusern für Angst sorgt. Es ist ein Teufelskreis: Wer nicht zum Arzt geht, bleibt ansteckend. Und wo Ärzteteams arbeiten, tragen sie manchmal, ohne es zu wissen, das Virus weiter. Selbst die Schutzmechanismen schlagen fehl, wenn Personal nicht ausreichend geschult oder ausgestattet ist. Was Katzer besonders ärgert: Die Forschung zu Ebola wurde in letzten Jahren fast schon stiefmütterlich behandelt. Wer sich als Forschungseinrichtung oder Pharma-Riese ohnehin auf die westlichen Märkte konzentriert, sieht in Ebola – einer "armen Krankheit" – kein lohnendes Geschäft. Die US-Entwicklungsbehörde hat ihre Gelder zum Beispiel drastisch gekappt. Selbst wenn Ärzte ohne Grenzen, zum Glück, von staatlichen Mitteln unabhängig bleibt, schlägt sich deren Reduzierung durch andere Organisationen schmerzhaft nieder: Aufklärung kommt zu kurz, und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen hinkt hinterher. Besonders nach der Corona-Erfahrung sollte eigentlich klar sein, wie wichtig diese Arbeit ist. Ein weiteres Problem: Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen treiben wie Sporen durch die Landbevölkerung. Von absichtlich gestohlenem Blut ist da zu hören, von Organentnahmen unter falschem Vorwand. Kein Wunder, dass Freiwillige bei ihrer Arbeit bedroht werden. Auch das passierte erst vor kurzem: Zelte brennen, Mitarbeiter müssen sich zurückziehen. Das Vertrauen ist zerbrechlich, das Risiko bleibt hoch. Gleichzeitig bleibt medizinische Hilfe das Beste, was man den Menschen dort bieten kann. Auch, wenn das Klima rau ist – die Teams vor Ort wissen, für wen sie da sind. Und trotz aller Gefahr steht Katzer fest: Das Recht auf Versorgung sollte nirgendwo auf der Strecke bleiben. Die Diagnose lautet: schwierig, aber unverzichtbar.

Der Kampf gegen Ebola im Osten des Kongo ist durch viele Faktoren erschwert: bewaffnete Konflikte und schwache staatliche Strukturen, gravierende Kürzungen der internationalen Hilfsmittel und die verbreitete Armut. Besonders kritisch ist, dass die aktuelle Virusvariante nicht durch Impfung bekämpft werden kann und die Diagnose oft zu spät erfolgt – ein fataler Mix, der das Virus sich unbemerkt ausbreiten lässt. Dazu tragen auch Misstrauen gegenüber Gesundheitseinrichtungen und Desinformation bei, die sowohl die Bevölkerung als auch Helferteams gefährden. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen finanziert sich zwar unabhängig, spürt dennoch indirekt die Auswirkungen der Kürzungen; dringend benötigte Aufklärung und Kontaktnachverfolgung leiden darunter. Aktuelle Recherchen bestätigen, dass im Kongo momentan sowohl Gewalt gegen Hilfsorganisationen als auch verstärkt Desinformationskampagnen zu beobachten sind. Laut verschiedenen Medienberichten hat sich die Sicherheitslage für humanitäre Mitarbeiter im Laufe der letzten zwei Tage nochmals verschlechtert. Internationale Hilfsstrukturen sind angesichts der Kürzungen zunehmend dysfunktional: Hilfsleistungen stocken nicht nur in Bezug auf Ebola; auch andere Krankheiten wie Cholera oder Masern können nur unzureichend bekämpft werden.

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