Doch kaum ist die Tinte unter der Verordnung trocken, rollen schon die ersten Wolken auf. Denn während ab 19. Juli etwa das massenhafte Wegwerfen unverkaufter Modeartikel für große Firmen tabu sein wird, ertönt aus der Modeindustrie Protest. Jonas Stracke, Kreislauf-Fachmann im Verband 'Textil+Mode', findet klare Worte und kann dem Ganzen wenig abgewinnen: 'Kein hiesiger Hersteller schiebt makellose Kleidung ins Feuer. Dennoch klingt es, als wären wir Schuld am Überfluss und am Müll.' Neuer Bürokratie-Dschungel, alter Fast-Fashion-Irrsinn – am Ende, so Stracke, fehle es schlicht an funktionierenden Recycling- und Sammelsystemen. 'Viel Papier, wenig Wirkung', lautet sein skeptisches Fazit.
Was bleibt? Ein Fortschritt, ja, aber einer mit Fragezeichen. Es zeigt sich mal wieder: Regulieren ist gut – echte Nachhaltigkeit hingegen braucht oft mehr als einen Gesetzestext.
Die Durchsetzung der neuen EU-Ökodesign-Verordnung spaltet die Akteure: Während der Entsorgungsverband die Anforderungen an kreislauforientiertes Produktdesign und die damit einhergehenden Chancen für Klimaschutz und Ressourcensicherung hervorhebt, kritisieren Vertreter der Textilbranche das Gesetz als bürokratisch und wenig zielführend. Sie argumentieren, dass das Verbot der Vernichtung unverkaufter Kleidung am eigentlichen Problem vorbei zielt, solange Sammel- und Recyclingstrukturen fehlen. Tatsächlich lesen sich aktuelle Nachrichten aus mehreren Quellen ähnlich: Die FAZ beispielsweise hebt hervor, dass die Verordnung auch eine 'Herstellerverantwortung für Langlebigkeit' einführt, während laut Spiegel Online viele Unternehmen erhebliche Investitionen in digitale Produktpässe erwarten.
Die neue Regelung betrifft vor allem große Unternehmen und sieht Sanktionen bei Verstößen vor. Während die Initiative zu weniger Müll und mehr Zirkularität führen soll, gibt es Bedenken hinsichtlich Kontrollaufwand und Umsetzungstempo, besonders im Textilsektor, aber auch bei Elektrogeräten und Möbeln. International gibt es bereits erste Stimmen, die Verbesserungen und Präzisierungen im Interesse mittelständischer Unternehmen fordern.