Das Ende eines Blattes
Ehrlich gesagt, so richtig vorstellen konnte ich mir das nie: Emma, diese Veteranin unter den feministischen Zeitschriften, stellt einfach ein. Und doch – jetzt ist es raus. Letzte Runde im Oktober, dann noch ein Nachspiel im Dezember, dann wird das Licht ausgeschaltet.
Schwarzer: Nicht das Geld war schuld
Natürlich dachte ich erst an die Klassiker – miese Bilanzen, maue Verkaufszahlen. Aber Alice Schwarzer meinte es anders; finanzieller Druck sei nicht ausschlaggebend gewesen. Die Kasse stimmt noch, sagt sie, das Magazin hätte weiter überlebt. Und dann bleibt ein trauriger Beigeschmack: Etwas geht nicht, weil man findet, es ist Zeit zu gehen. Nach all den Jahrzehnten?
Drei Generationen – und viel Widerspruch
Es ist schon bemerkenswert: EMMA hat sich durch Modewellen gewühlt und ist, mal freundlich gesagt, nicht immer angeschmiegsam geblieben. Kritisch gegenüber manchen Neuauslegungen des Feminismus, immer laut, manchmal unbequem. In meinen Augen auch ein bisschen stolz darauf, gegen den Strich zu bürsten.
Das Archiv, ein Zeitzeugnis
Der Umzug aller Bestände nach Marbach gibt der ganzen Episode einen gewissen Edelschein. Dort stauben die Hefte dann nicht einfach zu, sondern werden ab 2029 ordentlich aufbereitet und für Forscher, Journalistinnen oder andere Neugierige verfügbar. Kunststück: Ein Ende, das zugleich die Tür zur Historie aufstößt.
Digitalisierung und Gegenwart
Dass Medienkonsum heute anders funktioniert, ist kein Geheimnis. Mag sein, dass TikTok und Podcasts in den Alltag eingewoben sind wie damals handfeste Hefte im Briefkasten lagen. Wer liest heute eigentlich noch regelmäßig Printmagazine?
Und jetzt?
Was bleibt, ist ein Stück publizistischer Geschichte. Bedeutet das Aus für EMMA auch das Ende lebendiger feministischer Debatten? Wohl kaum. Vielleicht werden neue Stimmen lauter, wahrscheinlich verschiebt sich der Streit ums richtige Leben nur an einen anderen Ort.
„Emma“ – von Ikone zur Dokumentation
Mit der Einstellung von EMMA verabschiedet sich nicht nur ein Magazin, sondern auch eine intellektuelle Institution, die feministische Diskussionen seit 1977 prägte. Durch den Umzug des Archivs ins Deutsche Literaturarchiv Marbach werden die Erfahrungen, Konflikte und Wandlungen feministischer Bewegungen für künftige Generationen konserviert. Die Schließung spiegelt den aktuellen Wandel der Medienlandschaft wider, in der Printmedien zunehmend durch digitale Plattformen verdrängt werden.
Aktuelle Entwicklungen (Stand: Juni 2024)
EMMA hat in ihren fast fünf Jahrzehnten eine bemerkenswerte Bandbreite gesellschaftlicher Debatten begleitet – von Gleichberechtigung und Abtreibung bis hin zu Kontroversen über migrationspolitische Fragen (vgl. taz.de). Die Entscheidung zur Schließung wurde in den Medien kontrovers aufgenommen und löste Diskussionen über die Zukunft feministischer Medien und Alice Schwarzers Erbe aus. Spannend bleibt, wie das digitale Zeitalter neue Formen feministischer Kommunikation hervorbringt – etwa über Influencerinnen, Online-Communities und alternative Reportageformen, die niedrigschwelliger, aber eventuell weniger historisch fundiert sind. Die letzten Ausgaben könnten einen Hauch Zeitgeschichte dokumentieren: als Echo einer Epoche, die nun auch als Archiv überdauert.